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Exkursion in die Sieke im Ravensberger Land und Besuch des neuen Böckstiegel-Museums

Foto: Margret Lohmann

Am 9. September lud der NABU-Kreisverband ein zu „Natur trifft Kultur“ ein.

Foto: Margret Lohmann

Foto: Margret Lohmann

Wir trafen uns am Parkplatz des Böckstiegel – Museums und gingen dann in die direkt daran anschließende Sieke.

Frau Anne Pagenkemper von der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Gütersloh, die dieses Gebiet betreut, hatte sich bereit erklärt, uns Wissenswertes über die Sieke im Ravensberger Land zu vermitteln. Begleitet wurde sie mit viel Herzblut von Herrn Heinrich Heining, der hier Bewohner und Eigentümer eines landwirtschaftlichen Betriebes ist.

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Foto: Margret Lohmann

Das Ravensberger Land ist eine Kulturlandschaft in Ostwestfalen-Lippe im Nordosten Nordrhein-Westfalens. Es liegt zwischen Teutoburger Wald im Süden,  Wiehengebirge im Norden,  der Landesgrenze zu Niedersachsen im Westen sowie dem großen Weserbogen und der lippischen Kreisgrenze im Osten. Als bedeutende, nahe liegende Stadt ist Bielefeld zu nennen, aber auch Herford, Bad Oeynhausen und Bünde.

Das Landschaftsschutzgebiet „Sieke des Ravensberger Hügellandes“ stellt einen typischen Ausschnitt des Ravensberger Hügellandes dar und umfasst die Siekbereiche der Warmenau, des Marktwiesentales, des Grenzbaches, des Beckendorfer Mühlenbaches, des Schwarzbaches und seiner Zuflüsse, des Mühlenbaches, des Voßsiekbaches, des Klosterbaches, des Violenbaches sowie des Siekstems bei Winkelhütten.

Die Siekbereiche sind als lineare Biotopstrukture von regionaler Bedeutung in das flachwelligen Hügelland zwischen dem Osning und dem östlichen Wiehengebirge eingeschlossen. Charakteristisch sind die ebenen, überwiegend Gründland genutzten Sieksohlen mit lang gestreckten Sickerhorionten im Grenzbereit zwischen der auflagernden Lößlehmdecke und dem anstehenden Lias-Tonstein. Es sind auch vereinzelte Quellen mit stärkerer Schüttung vorhanden. Die kastenförmige Gestalt der Siekquerschnitte mit Gehölz bestandenen Böschungskanten sind als kulturhistorische Landnutzungsform als kulturhistorische Landnutzungsform von besonderem Werk.

Foto: Margret Lohmann

Foto: Margret Lohmann

Das Gründland entlang des Schwarzbaches und der Nebensieken wird vom Hof Heining naturnah bewirtschaftet. Gerade dieser Abschnitt stellt einen typischen Ausschnitt der Ravensberger Sieklandschaft dar. Herr Heinig führte uns auch über seine Wiesen, die normalerweise nicht betreten werden bis zu seinem Hof. Dieser stellt eine Besonderheit dar: Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat dem Hof Heinig im September 2018 den Ehrentitel „Denkmal des Monats“ verliehen. Die Gründung des Hofes geht auf das Jahr 1763 zurück. Die letzte große Umbaumaßnahme des Hofhauses war 1818/1819. Aus dieser Zeit stammt auch der aufwändig gestaltete Südgiebel mit reichen Schnitzereien und Farbgestaltung.

Foto: Margret Lohmann

Herr Heining lebt mehr oder weniger in direkter Nachbarschaft zu dem Böcksiegel-Haus und nunmehr auch dem Böckstiegel-Museum und hat den Maler Peter August Böckstiegel, der  am 7. April 1889 geboren wurde und am 22. März 1951 verstarb, noch persönlich gekannt. Herr Heining führe eine Mappe mit einlaminierten Zeichnungen des Malers mit sich und zeigte den interessierten Exkursionsteilnehmern immer wieder die Orte, untermalt von netten Begebenheiten und Geschichten, an denen die Bilder des Maler entstanden waren.

Foto: Margret Lohmann

Foto: Margret Lohmann

Hin und wieder waren diese Orte, sei es durch das Roden von Bäumen, Umgestalten des Ackers/der Wiesen oder auch Abriss eines Hauses nicht mehr zu erkennen, aber Herr Heining versicherte glaubhaft, dass wir an der richtige Stelle waren. So war es ein sehr unterhaltsamer Rundgang bei schönstem Wetter durch die Landschaft.

Zurück zum Böckstiegelmuseum, das am 30. August feierlich offiziell mit 150 geladenen Gästen nach 2 Jahren Bauzeit – es dauerte ein 4 ½ Monate länger als geplant – eröffnet wurde. Der Öffentlichkeit steht es seit dem 31. August 2018 zur Verfügung. Das Museum wurde mit Sicht auf das Elternhaus Böckstiegels errichtet im totalen Gegensatz der Bauweise zum Elternhaus und bietet nicht nur Raum auf 1.200 qm Fläche für Wechselausstellungen, sondern auch für seinen umfangreichen Nachlass von 1300 eigenen Bildern und Skulpturen sowie eine Kunstsammlung mit Werken von Ernst Barlach, Wilhelm Lehmbruck, Edvard Munch und Käthe Kollwitz.

Foto:Wilhelm Gröver

Foto:Wilhelm Gröver

Uns erwartete Herr Klaus, um durch das Museum zu führen und Erklärungen zu den  in 40 Jahren Schaffenszeit gefertigten Ölbildern, Aquarellen und Büsten zu vermitteln. Durch die Vorinformationen hatte man einen ganz anderen Eindruck des Ganzen und konnte sich in viele Bilder besser hineindenken. Mit dem Museum, so Herr Klaus,  soll die Erinnerung des Malers und Bildhauers gewahrt werden, der in der Weimarer Republik mit zu den wichtigen Vertretern des späten Expressionismus zählte.

Foto:Wilhelm Gröver

Foto:Wilhelm Gröver

Viele Werke des Malers deuten darauf, dass sein großes Vorbild der holländische Maler Vincent van Gogh war.

otos: Claudia Schindler

otos: Claudia Schindler

Böckstiegel studierte in Bielefeld und Dresden, wurde trotz der ärmlichen Verhältnisse seines Elternhauses immer wieder von der Familie unterstützt. Als Soldat im 1. Weltkrieg eingezogen, kam bis zur Ukraine und lernte auch Rumänien kennen und überlebte den Krieg unversehrt.  Er lebte auch nach dem Krieg in Dresden. Dort gehörte er der „Dresdner Session Gruppe 1919“ um Otto Dix und Conrad Felixmüller an, dessen Schwester Hanna Müller seine spätere Ehefrau wurde, mit der er die Kinder Sonja und Vincent hatte. Leider waren seine Kinder ohne Nachkommen. Heute gibt es nur noch einen Zweig der Familie Böckstiegel, der in die Schweiz auswanderte. In der Nazizeit wurden seine Werke als „entartete Kunst“ eingestuft, teilweise zerstört oder ins Ausland verkauft. Im Februar 1945 wurde sein Atelier in Dresden bombardiert, viele Exponate zerstört und Böckstiegel entkam nur knapp dem Bombardement. Er kehrte mit seiner Familie zurück ins Elternhaus in Arrode-Werther, kümmerte sich um den Ausbau des Hauses, um sich ein Atelier zu schaffen und lebte auch mit seiner Familie in dem kleinen Anbau. Seine Bilder zeigen ein großes Gefühl für Heimat, Familie und Geborgenheit und sind häufig mit Feldfrüchten wie Kartoffeln oder Obst und Blumen der Region in satten Farben gemalt. 1947 wurde Böckstiegel Erster Vorsitzender der „Westfälischen Sezession 1945“. Sein letztes Bild, Anfang 1950 gemalt, ein Winterbild mit dunklen Baumstämmen, den Boden mit einer leichten Schneeschicht bedeckt, mit Sicht auf sein Elternhaus, nannte Peter August Böckstiegel Heimkehr.

Foto: Margret Lohmann

Foto: Margret Lohmann

Da das Museum Wechselausstellungen anbietet, kann man immer wieder einen neuen, lohnenden Blick auf die Werke von Peter August Böckstiegel werfen.

Zum Abschluss konnte jeder der wollte im museumseigenen Café noch Kuchen und Kaffee genießen.

Busexkursion in die Senne am 12. August 2018

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Der NABU Kreisverband Gütersloh bot jetzt zum wiederholten Mail eine Exkursion in die Senne an. 45 Teilnehmer folgten der Einladung.

Foto: Claudia Schindler

Die Senne liegt im Westen des Teutoburger Waldes zwischen Bielefeld im Norden, Paderborn im Süden, Gütersloh und Detmold im Westen und Osten. In der Senne entspringen ebenfalls die Emsquellen. Aufgrund ihrer sandigen Böden befindet sich hier die bedeutendste zusammenhängende Heidelandschaft in Nordrhein-Westfalen. In dieser Kulturlandschaft sind große Flächen mit Magerrasen sowie naturnahe Gewässer und Moore vorhanden. Die Senne verfügt über eine reichhaltige Flora und Fauna. Von den etwa 5.000 vorkommenden Tier- und Pflanzenarten stehen ca. 1.000 auf der roten Liste wie zum Beispiel die Mondraute, der Wendehals und der Trauermantel.

Das sonst nicht zugängliche Gebiet ist Truppenübungsplatz der britischen Armee. Dieser stellte den Mittelpunkt der Exkursion dar. Er wird von den Britischen Streitkräften in Deutschland gemäß NATO-Truppenstatut betrieben. Die Teilnehmer wurden in längst vergangene Zeiten geführt, da durch die Präsenz der Briten eine landwirtschaftliche und bauliche Veränderung der Senne verhindert wurde.

 

Das Befahren der Panzerringsstraßen im Truppenübungsgebiet der Senne ist nur zu bestimmten Terminen möglich – normalerweise im August, wenn die Briten Installationsarbeiten vornehmen und das auch nur mit ausdrücklicher Genehmigung. Das Aus- bzw. Absteigen ist weitestgehend – vor allem aus Sicherheitsgründen – untersagt und nur an zwei Stellen möglich.

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Foto: Claudia Schindler

 

 

 

 

 

 

 

 

Herr Dr. Gerd Lakmann von der Biologischen Station Kreis Paderborn-Senne ist in dem Sennegebiet für Fauna und Flora zuständig. Laut Dr. Lakmann hat die Präsenz der Briten gezeigt, dass Naturschutz und militärische Nutzung gut in Einklang gebracht werden können. Auf dem gesamten Gebiet der Senne mit der 120 Quadratkilometer großen Fläche leben allein 1.000 Arten, die auf der roten Liste stehen. Es wurden 233 Schmetterlingsarten beobachtet, und sogar die seltene Heidelerche, das Neunauge und der Ameisenlöwe und die Feldgrille sind in der Senne anzutreffen. Die Bachläufe, Moore, Sanddünen, die weiten Offenlandflächen und viele weitere, recht verschiedene Biotope in der Senne sind möglicherweise sogar wertvoller als die Lüneburger Heide.

Um 10.00 Uhr ging es los vom Treffpunkt Parkplatz Kreishaus Gütersloh. Zunächst wurde der Parkplatz der Heidschnuckenschäferei in Hövelhof angefahren, wo Dr. Lakmann von der und Christian Lücke, Betriebsbereichsleiter Senne, vom Bundesforstbetrieb Rhein-Weser, und weitere Gäste zustiegen.
Dr. Lakmann, der über die Schlüsselgewalt aller Schlagbäume auf dem Gebiet verfügte, und Christian Lücke erklärten den Gästen ausgesprochen kenntnisreich und interessant die geschichtlichen und aktuellen Verhältnisse des Truppenübungsplatzes.

Herr Lücke erklärte, dass das Gebiet aus ca. 12.000 ha, davon 6.600 ha Wald und ca. 5.400 ha Offenland, besteht und 11.500 ha Eigentum des Bundes, vertreten durch die BImA (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben), sind sowie 500 ha die dem Fürsten zu Lippe gehören.
Am Westrand des Truppenübungsplatzes befindet sich das Lager Staumühle, das sich im Eigentum der Bundeswehr befindet und nicht ständig mit Truppen belegt ist. Truppen fast aller NATO-Staaten – insbesondere der Benelux-Staaten – nutzen jedoch ebenfalls eine dortige Staumühle. Ein Teil des Geländes wird von der Justizvollzugsanstalt Hövelhof belegt. Das Gelände des ehemaligen Stalags wurde Standort des Polizeiausbildungsinstituts und wurde nicht in das Gelände des Truppenübungsplatzes einbezogen.

Als erstes passierten wir ein nachgebautes, afghanisches Dorf. Hier üben die Streitkräfte das Kommunizieren und Entkommen aus solchen Orten.

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Foto: Claudia Schindler

Weiter fuhren wir über lange, mit 150 Jahre alten Sommerlinden bepflanzte Alleen, teilweise über historische Straßen mit Kopfstein-Basaltpflaster gebaut, über den Truppenübungsplatz. Diese Kopfsteinpflasterstraßen sind erstaunlich robust und halten nach diesen langen Jahren sogar das Befahren mit Panzern aus. Die Pflege der Landschaft übernimmt laut Herrn Lücke die BImA, die Kosten werden von den Briten getragen. Schießflächen, die sich weitestgehend unauffällig in die Landschaft einfügen, werden wegen der Sichtverhältnisse durch Mähen der Vegetation kurz gehalten. Das geschieht allerdings in so genannten Fenstern, wo ein Teilstrich gemäht wird und der andere im darauf folgenden Jahr. Wegen der hohen Brandgefahr liegen auch immer zwischen den Flächen Teilstriche ohne jegliche Vegetation, um mögliche Feuer aufzuhalten.

Die bewaldeten Flächen, hauptsächlich mit Kiefern bewachsen, haben durch den diesjährigen Frühjahrssturm Fredrike große Schäden davon getragen. Der Baumbruch kann nur sporadisch beseitigt werden. Eine große Herausforderung für die beauftragten Unternehmen, weil diese Arbeiten nur in ganz bestimmten Zeitfenstern ausgeführt werden können.

Es ist auch Wild, vor allem Rotwild, im Gelände vorhanden, das jedoch so gut wie nicht bejagt wird. Diese Tiere stellen ebenfalls durch die Äsung vor allem in unweglichem Gelände sicher, dass sich der Wuchs von Baumsschösslingen in Grenzen hält. Allerdings hat sich die vor Jahrzehnten aus Nordamerika stammende angesiedelte spätblühende Traubenkirsche stark ausgebreitet. Sie kommt mit den kargen, trockenen Verhältnissen gut zurecht und ist so gut wie gar nicht unter Kontrolle zu bekommen bzw. auszurotten.

In diesem Jahr zeigen sich aufgrund der anhaltenden Trockenheit große Schäden an der Vegetation. Die berühmte Heideblüte fällt deshalb in diesem Jahr leider größtenteils aus. Auch die Brandgefahr ist nicht zu unterschätzen.

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Foto: Claudia Schindler

Auf den Schießflächen sind alte Panzer zu sehen, die als Schussziel dienen. Nach jeder Übung durchsuchen die Briten das Gelände nach Munition. Diese wird jedoch nicht zu 100 % gefunden. Sehr häufig werden jedoch Blindgänger aus Zeiten des 2. und sogar 1. Weltkrieges entdeckt, die oft heute noch sprengfähig sind. Diese sind tief im Sand eingedrungen und arbeiten sich in den Jahren nach oben. Jedes Fundstück wird fotografiert, möglichst, je nach Erosion, identifiziert und zumeist an Ort und Stelle gesprengt.

 

 

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Foto: Claudia Schindler

Auf dem Gelände gibt es zur besseren Orientierung – die Panzerringstraßen sind in keinem Verzeichnis oder Navigationsgerät eingetragen – einen Bahnhof, den Heidebahnhof, der allerdings ohne Funktion ist.

 

 

 

 

 

Foto: Claudia Schindler

Foto: Claudia Schindler

Ebenfalls steht dort eine Windmühle, die Winning Mühle. Sie wurde 1896 aus Holz als Signalstation errichtet, benannt nach dem Generalmajor von Winning und 1935 abgerissen.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Foto: Claudia Schindler

 

 

 

 

 

 

 

 

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Foto: Claudia Schindler

Als Beobachtungspunkt wurde daraufhin ein massiver Hochbunker aus Stahlbeton errichtet und aus Brettern und Schilfgras wieder eine Konstruktion, die an eine Mühle erinnerte. 1941 wurde diese jedoch durch einen Blitzschlag zerstört und 1943 renoviert. Sie steht inzwischen wegen des sicheren Standortes für Truppenparaden und für Besuche der Mitglieder des englischen Königshauses zur Verfügung. Queen Elizabeth II stattete dort in den Jahren 1965, 1977 und 1985 den Truppen ihre Visite ab. Das wurde in Tafeln, die an der Mühle angebracht wurden, festgehalten.

Zur Geschichte berichtet Dr. Lakmann, dass bereits 1881/1882 ca. 15 ha in der Senne als Kavallerie-Exerzierplatz vom 1. Westfälischen Husaren-Regiment Nr. 8 genutzt wurden. 1888 fand eine Erweiterung des Gebietes auf 400 ha statt. Die Benutzung als Truppenübungsplatz ab 1892-1936 erfolgte übergangslos und umfasste 35 qkm.

Hövelsenne wurde ab 1659 von Bauern aus dem Delbrücker Land besiedelt – entlang der Bachläufe Krollbach, Knochenbach du Haustenbach. Die Bevölkerung gehörte der Katholischen Kirche an. Erst 1923 erhielten die Hövelsenner eine eigene Kirche, die St. Josefs-Kirche, die über Senden und in Eigenleistung errichtet wurde.

Haustenbeck wurde ebenfalls 1959 gegründet und vom damaligen Lippischen Fürsten zwangsbesiedelt. Dieser wollte, dass die Bewohner in Eigenverantwortung für ihren Lebensunterhalt sorgten. Der Name leitet sich ab vom Haustenbach. Die Haustenbecker gehörten ausschließlich der Evangelischen Kirche an und obwohl in unmittelbarer Nähe zu Hövelsenne gelegen, bestanden so gut wie keine Kontakte zwischen den beiden Gemeinden. 1677 erhielt die Gemeine eine eigene Kirche.

Das Leben auf dem nährstoffarmen Boden der Senne war sehr beschwerlich aber die findigen Menschen brachten an den Bächen Flößwiesen an. Dazu staute man das Wasser der Bäche zur besseren Bewässerung der Wiesen und so kamen zusätzlich noch Nährstoffe hinzu, so dass auf diesen Flächen z.B. Kühe gehalten werden und man Futter für den Winter ernten konnte. Ebenfalls wurden in den Tälern die für die Senne typischen Kastentäler wegen der besseren Bewirtschaftung von Menschenhand gebildet. Zur Bodenverbesserung wurde der Boden bis ins 20. Jahrhundert abgeplaggt, indem die Heidebauern mit einer speziellen Hacke eine dicke Bodenschicht einschließlich Heidekraut abschälten. Diese Plaggen dienten als Einstreu in den Viehställen und kamen danach mit dem Dung vermischt auf die Felder.

Ab 1937- 1939 wurden die Einwohner beider Ortschaften wegen der Erweiterung des Truppenübungsplatzes umgesiedelt. Wer mit dem angebotenen Geld nicht einverstanden war, wurde zwangsumgesiedelt.

Seinerzeit hatte Haustenbeck 1.300 Einwohner. Heute ist die Ortschaft komplett unbewohnt. Es finden sich nur noch die unter Denkmalschutz stehende Ruine der ehemaligen Kirche, wo seit einigen Jahren auch ein Gedenkstein steht, eine Gedenkstätte auf dem ehemaligen Friedhof sowie hier und da einige vereinzelte Mauerreste. Teilweise lässt sich am alten Obstbaumbestand noch erahnen, wo einst die Häuser und Höfe standen. Der Haustenbecker Heimat- und Verkehrsverein veranstaltet in jedem ungeraden Jahr ein Wiedersehens-Treffen alter Haustenbecker und Freunde, das noch rege besucht wird.

In der Nähe der Ruine der ehemaligen Kirche steht der „Haustenbecker Turm“, der zunächst für das Militär als Beobachtungsturm zur Beobachtung von Schießübungen und zur rechtzeitigen Erkennung von Wald- und Heidebränden erbaut wurde. Heute dient er auch dem Vogelschutz und es nisten dort z.B. Falken. Der Turm ist dem Kirchturm von St. Kilian in Büren nachempfunden. Im Juni 1963 ereignete sich ein tragisches Unglück: Ein belgisches Flugzeug mit insgesamt 47 Personen an Bord überflog den Truppenübungsplatz, auf dem gerade ein Schießen mit Granatwerfern ausgeführt wurde. Ein Geschoß traf den rechten Tragflügel. 38 Menschen starben. Aus diesem Grund wurden in den 1970er Jahren in den Fenstern im obersten Stockwerk Sirenen angebracht, damit den Truppen signalisiert wird, die Schießübungen bei Flugzeugüberflügen unverzüglich einzustellen. Der Turm steht seit 1992 unter Denkmalschutz.

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Foto. Claudia Schindler

Im Gebiet Hövelsenne befindet sich nur noch ein kleiner, bewohnter Bereich außerhalb des Truppenübungsplatzes. So ist hier die Heidschnucken-Schäferei zu finden. Diese Herde, bestehend aus ca. 500 Muttertieren plus Lämmern und Böcken, wird seit 1990 von der Biologischen Station Kreis Paderborn-Senne aus Naturschutzgründen gehalten und ist zuständig für das Kurzhalten der Heide sowie die Entbuschung des Gebietes. Ansonsten wäre die Fläche sehr schnell von Wald überwuchert und die natürliche Landschaft verlöre ihren Ursprung. Zum Erhalt der Herde nimmt man sehr gerne Spenden oder auch Patenschaften für einzelne Tiere entgegen.

 

Das Umsiedeln der Hövelsenner ging langsamer vonstatten. Im Jahre 1974 mussten die letzen Einwohner ihre Heimat verlassen. Nach der Umsiedlung wurde 1985 die ehemalige St.-Josef-Kirche aus Sicherheitsgründen gesprengt – sehr zum Unmut vieler Menschen aus der Region. Daher gründeten die ehemaligen Hövelsenner 2012 einen Förderverein, der sich um Spendengelder, Planungen und später um die Ausführung der Arbeiten usw. für den Neubau einer Kapelle kümmerte.

Foto: Claudia Schindler

Foto: Claudia Schindler

Diese wurde kurz vor dem Truppenübungsplatz im Verhältnis 1: 3 der ehemaligen Kirche errichtet und erhielt den Namen St-Josef-Kapelle. Das Gebäude wurde nur über Spenden und Eigenleistungen der Hövelsenner und umliegenden Bevölkerung errichtet und am 11. Juli 2015 mit einer Heiligen Messe und der eigens aus dem Heimathaus ausgeliehenen Originalglocke von St.-Josef eingeweiht.

Beschriftete Pflastersteine auf dem Grundstück der Kapelle sollen an die 135 Hofstellen und Häuser, die verlassen werden mussten, und an die Familien von Hövelsenne mit 800 Personen erinnern. In beiden Orten lebten in den vergangen Jahrhunderten 11-12 Generationen.

Aufgrund der besonderen Nutzung auf dem Gebiet des Truppenübungsplatzes konnten laut Dr. Lakmann (Kartierung vor ca. 5 Jahren) der Ziegenmelker, auch Nachtschwalbe genannt, 528 Brutreviere der Heidelerche, Baumpieper, Gartenrotschwanz, Steinschmätzer, das Schwarzkehlchen mit 60- 80 Paaren und bis in die 80 Jahre auch das Braunkehlchen, jetzt allerdings nur noch als Durchzieher, festgestellt werden. Ferner findet man Neuntöter und Raubwürger mit 5- 10 Paaren, Rotmilan. Auch der Seeadler und der Schwarzstorch sind gesichtet worden. Seit 3- 4 Jahren brütet sogar der Kranich in den Auwäldern.
Die Senne wurde vom Bundesamt für Naturschutz als herausragendes Biotop eingestuft. Das Gebiet erfüllt somit die Kriterien eines Naturparks. Der Landtag Nordrhein-Westfalen sprach sich 1991 in einem einstimmigen Beschluss für die Errichtung eines Naturparks Senne nach Beendigung der militärischen Nutzung aus. 1998 wurde der Förderverein Nationalpark Senne e.V. gegründet, der die Planungen begleiten soll. Die entsprechende Ausweisung des Gebietes mit den Waldflächen des angrenzenden Teutoburger Waldes und des Eggegebirges ist jedoch bisher an Widerständen in der Region gescheitert.

Das Gebiet des Truppenübungsplatzes wurde 2002 als FFH (Flora – Fauna – Habitat, Richtlinie zum Erhalt der biologischen Vielfalt), ein von der Europäischen Union anerkanntes Schutzgebiet, und ebenfalls als Europäisches Vogelschutzgebiet ausgewiesen.

Nachdem die Briten die Senne bis 2020 räumen wollten, hat man sich nun anders entschieden und will mit ca. 200 Streitkräften weiterhin das Gebiet nutzen. Somit sind die Pläne eines Naturparks Senne vorläufig auf Eis gelegt.

Wir erreichten nach ca. 30 km das Ems-Infozentrum EmsQuellen und Emsradweg in Hövelhof. Hier verabschiedeten wir uns von Dr. Lakman und Christian Lücke und dankten für die umfangreichen Informationen.

Nach einer 45 Minuten Pause im Schatten des Infozentrums, in denen jeder sein mitgebrachtes Picknick verzehren konnte, ging es zu den nahe gelegenen Emsquellen.

Foto: Claudia Schindler

Foto: Claudia Schindler

Wilhelm Gröver, Leiter der Unteren Landschaftsbehörde Kreis Gütersloh, führte uns einen Waldweg entlang zu den Sickerquellen der Ems, die mitten im trockenen Sennesand der Moosheide entspringt. Die Quellen werden gespeist von immer wieder zufließenden Rinnsalen. So entsteht von dem kaum sichtbaren Ursprung
nach wenigen 100 m bereits ein knapp 2 m breites Fliessgewässer. Der Weg zu den Quellen und der weitere Verlauf ist über einen barrierefreien Bohlenweg zu erreichen. Hier kann man direkt an die Quellen herantreten.

 

 

Foto: Margret Lohmann

Foto: Margret Lohmann

Weiter führte uns der Weg an dem „Beweidungsprojekt Senner Pferde“ entlang. Wilhelm Gröver berichtete, dass das Naturschutzzentrum Senne 1999 das Beweidungsprojekt mit den Senner Pferden, startete. Diese gelten als eine der ältesten Pferderassen Deutschlands. Durch ihre Geschichte sind sie eng mit der Sennelandschaft verbunden und haben maßgeblich zur Ausprägung der sennetypischen Landschaft beigetragen. Der Bestand ist stark gefährdet und die Senner Pferde stehen auf der Roten Liste. Sie kommen mit den kargen Bedingungen der Senne gut zurecht und dienen dem Erhalt der Landschaftsform.

Die Pferde sind sehr genügsam, es werden aber nie mehr als 6- 7 Tiere gehalten, da sonst das Futter nicht reichen würde. Im Winter stehen die Tiere allerdings nicht auf den Weiden. Das Projekt wird inzwischen von der Biologischen Station Kreis Paderborn- Senne weitergeführt.

Am Ende des Weges kamen wir wieder am Ems-Informationszentrum EmsQuellen und Emsradweg an. Wer sich vorher noch nicht über den Verlauf der Ems von der Quelle bis zur Mündung in die Nordsee informiert hatte, konnte das jetzt nachholen.

Zum Abschluss gab es Kaffee und leckeren, von Sigrid Schwarze gebackenen, Kuchen!

Gegen 16.45 Uhr, sogar ein wenig eher als vorgesehen, erreichten wir wieder den Parkplatz in Gütersloh und konnten alle noch einen schönen weiteren Sonntagabend genießen.

Exkursion „Grillen mit Grillen“ in der Niehorster Heide

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Der NABU-Kreisverband Gütersloh lud am 13. Juli 2018 ein zur Exkursion in die Niehorster Heide. Der Treffpunkt war das ehemaligen Nato-Tanklager der Britischen Royal Navy.

1Wolfgang Schulze von der Unteren Naturschutzbehörde Kreis Gütersloh betreut fachlich dieses Gebiet. Er berichtete, dass das Flugbenzin für die Militärjets des Flughafens in Marienfeld aus Sicherheitsgründen abseits gelagert und mittels einer Pipeline zum Flughafen transportiert wurde.

 

 

Foto: Margret Lohmann

Die technischen Einrichtungen wurden nach Aufgabe des Tanklagers auf Dauer gegen Explosionsgefahr gesichert.

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Karte: Kreis Gütersloh

Nach der Bodensanierung wurde der Nacheigentümer der Bundesrepublik Deutschland ein Gütersloher Privatmann, der eine Biogasanlage unter Verwendung der ehemaligen Flugbenzintanks plante. Dieses kam aus immissionsschutzrechtlichen Gründen nicht in Betracht.

Die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Gütersloh und der Fachbereich Umwelt der Stadt Gütersloh konnten den Eigentümer schließlich überzeugen, die mit einem militärischen Sicherheitszaun umgebende Fläche auch nicht weiter als Dammwildgehege zu nutzen. Seit etwa zehn Jahren werden Teile des Geländes nunmehr von den Feldbogenschützen genutzt.

Seit Jahrzehnten wurde das Gelände nicht gedüngt und somit ist der Standort sehr nährstoffarm.

2Durch Sandentnahmen und Überdeckung der Tanks entstanden verschiedene Sonderstandorte aufgrund der besonnten kleinen Hänge oder Feuchtmulden sowie den Waldrand- und Baumgruppeneffekten. Das stellte einen besonderen Standort für Sandmagerrasen und Heideflächen dar.

 

 

Foto: Margret Lohmann

Beides gab es bereits auf der Fläche und war durch die extensive Pflege der Briten erhalten geblieben. Da es sich um eine Kulturlandschaft handelt, ist die fachliche Pflege sehr wichtig. Ohne Mahd oder Beweidung verholzt die Heide und die Gehölze nehmen Überhand, dass heißt, nach zehn Jahren wäre ein Kiefern-Birkenwald entstanden.

Gütersloh war in früherer Zeit, im 18. und 19. Jahrhundert, durch die Heidewirtschaft geprägt und trug daher auch die Bezeichnung „Kleine Heidestadt“. Somit hat die Fläche auch einen kulturhistorischen Wert und ist einzigartig in der Stadt Gütersloh.

Der Artenreichtum der Fläche ist aufgrund des Magerbodens einzigartig. Hier findet man die seltene Heidenelke und auch das blaue Bergsandglöckchen. Der Frühlings Spark, der Kleine Vogelfuß und auch das Gewöhnliche Ferkelkraut sind heutzutage den Menschen kaum noch bekannt. Mehr als 90 Pflanzenarten, einschließlich der Bäume und Sträucher kommen laut einer Kartierung im Jahre 2000 vor. 22 Arten davon stehen auf der Roten Liste. Ebenfalls wurden auf der Fläche 55 Moosarten und 115 Flechten nachgewiesen.

Ferner konnten 25 Vogelarten registriert werden, davon fünf Rote Liste Arten. Zu einer der seltenen Arten zählt die Heidelerche.

Die Zauneidechse ist in diesem Lebensraum ebenfalls zu finden. Auf dem Gelände gibt es zudem die Feldgrillen, mit zu Hunderten rufender Männchen. Diese gaben der Exkursion auch ihren Namen!

3Auf dem Weg konnten wir eine fleißige Grabewespe dabei beobachten, wie sie sich eine Bruthöhle aushob.

 

 

 

 

Foto: Margret Lohmann

Zahlreiche Schmetterlingsarten sind ebenfalls in dem Gebiet vorhanden.

Die Offenbereiche der Fläche sind inzwischen als §30 Biotop nach dem Bundesnaturschutzgesetz ausgewiesen (Zwergstrauch, Ginster- Wacholderheiden, Trockenrasen).

Aufgrund der guten Entwicklung des Geländes des ehemaligen Nato-Tanklagers (mit einer Gesamtfläche von ca. 6 ha) wurden weitere Standorte für Kompensationsanlagen der Stadt Gütersloh, insgesamt ca. 15 ha, hergerichtet. Der Oberboden der Flächen wurde teilweise entfernt und die Flächen sich selbst überlassen bzw. mit Magerrasensamen oder Heidesamen eingesät. Ferner wurden Extensivgrünlandflächen zu diesem Zweck geschaffen.
4Auf dem Rückweg konnten wir die inzwischen auch hierzulande häufiger zu findende Wespenspinne beobachten. Sie bevorzugt einen Trockenrasen- oder auch Feuchtwiesenstandort mit hoher Grillenpopulation. Aber auch andere Insekten wie Wespen, Bienen oder Schmetterlinge sind ihre Beute.

 

 

Foto: Margret Lohmann

Zum Schluss trafen sich alle auf dem Gelände des Bogenschützenvereins. Toren Mikat hatte uns freundlicherweise einen Grill, Bänke und Tische überlassen. So konnte dem Thema „Grillen mit Grillen“ absolut gerecht werden!

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Foto: Margret Lohmann

6Foto: Margret Lohmann

Exkursion zur Orchideenblüte am 06. Mai 2018

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Am Sonntag, den 06.05.2018, hat der NABU Kreisverband Gütersloh zur Exkursion „Orchideenblüte“ auf den Hof Brechmann in Stukenbrock geladen. Der Einladung folgten ca. 30 Gäste.
Herr Brechmann informierte uns nach einer kurzen Begrüßung über den Hof, der sich seit 7 Generationen in Familiensitz befindet. Vor 7 Jahren wurde der Hof in eine gemeinnützige Stiftung der Naturschutz- und Landschaftspflege umgewandelt. Zum Hof gehören 57 ha bewirtschaftete Ackerflächen und 35 ha Wald.

1Ebenso gibt es auf dem Gelände einen großen Teich, der gespeist wird durch die Wapel, die hier noch Wehrbach heißt. Der Teich ist ca. 300 Jahre alt und seit 40 Jahren brütet hier der Eisvogel. Er kann bis zu 3 Bruten im Jahr großziehen.
Durch den Artenschutz auf den Ackerflächen gibt es nicht nur die verschiedensten seltenen Pflanzen sondern auch eine große Insektenvielfalt.
Foto: Sigrid Schwarze
 

Der Sturm Friederike hat in diesem Frühjahr ca. 45 Festmeter Holz (überwiegend Fichte) umgeworfen. Da das Aufräumen zu aufwändig ist in Anbetracht des extrem niedrigen Holzpreises, bleiben die umgefallenen Bäume liegen. Da die Wurzeln größtenteils noch mit dem Erdreich verbunden sind, hat der Baum noch Kraft genug, sich vor dem Befall des Borkenkäfers zu schützen.
2An einem bereits abgesägten Baum (er lag auf dem Weg) konnten wir anhand des feinen, aufgeworfenen Holzmehls den Befall durch den Borkenkäfer sehen. Der Borkenkäfer bohrt sich durch die Rinde des Baumes und legt seine Eier zwischen Rinde und Holzkern. Die Maden fressen diese für den Baum lebenswichtige Schicht. Da der Baum bereits gefällt wurde, kann er sich nicht mehr gegen den Befall wehren und wird auf Dauer vollständig vom Käfer zerfressen. Aus der Made entpuppt sich die nächste Generation Borkenkäfer, die wiederum die anderen Bäume befallen. Um diesen Kreislauf zu unterbrechen, müsste der Baum geschält werden, dadurch würde den Käfern und Maden die Lebensgrundlage entzogen und sie würden absterben. Lt. Herrn Brechmann wird es in ca. 30 Jahren keine Fichten mehr in diesem Wald geben, sondern einen Laub-Mischwald.

Foto: Sigrid Schwarze

3Weiter ging es zu einem naturschutzkonformen Roggenfeld. Zwischen dem Roggen blühte der Sandmohn mit dem schwarzen Auge.

Foto: Dr. Peter Nabitz

 

 

Auch die Wildform der Ackerfeuerlilie ist auf diesem Feld vertreten, sie blüht jedoch erst im Sommer.

Des Weiteren konnten wir die emsigen Sandbienen beobachten, die den lockeren Sandboden benötigen, um ihre Höhlen zu bauen.
4Zum Schutz der Insekten dürfen die Äcker im Winter nicht bearbeitet werden.
Dann gingen wir zu einer Grünlandfläche. Wie auf dem Bild zu erkennen ist, gibt es hier 2 Abschnitte. Die Fläche im Vordergrund wurde vor 3 Jahren dazugekauft und nicht mehr bewirtschaftet, die Fläche im Hintergrund wird bereits seit 25 Jahren extensiv bewirtschaftet, d.h. nur 1 x im Jahr gemäht. Dadurch haben sich wieder seltene Ackerwildkräuter und Insekten ansiedeln können.

Foto: Sigrid Schwarze

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Im Anschluss erreichten wir die Orchideenwiese. Hierbei handelt es sich um eine Wiese mit einem kleinen Hang, dessen Oberfläche eine dünne Lehmschicht aufweist. Durch die Lehmschicht bleibt die

Fotos: Sigrid Schwarze

Feuchtigkeit im Boden und es entsteht eine Feuchtwiese. Über einen kleinen Trampelpfad hatten wir die Möglichkeit die Orchideen aus nächster Nähe anzuschauen. Wir sahen das Breitblättrige Knabenkraut, es ist nur auf ungedüngten Feuchtwiesen anzufinden. Es handelt sich hierbei um eine Orchideenart, die leider überall in Deutschland immer seltener wird.
7Mittlerweile steht sie als gefährdet auf der „Roten Liste“. Sie hat 3 – 8 dunkelt gefleckte Laubblätter und einen dichten Blütenstand, der 7 – 40 meist purpurrote Blüten enthält, allerdings sahen wir auch eine seltener weiß blühende Pflanze. Aufgrund der relativ hohen Ansprüche an den Lebensraum ist das Breitblättrige Knabenkraut ein guter Bioindikator für nicht oder wenig gestörtes Feuchtgrünland. Auch der Ehrenpreis, die Teufelskralle, der Medizinische Baldrian, die Schachbrettblume und verschiedene andere Blumen waren zu sehen.
Auch diese Wiese wird nur 1 x im Jahr gemäht, jedoch erst im Oktober. Das ist sehr wichtig, da durch zu frühes Mähen die Sommerblumen fehlen und die Insekten nicht genug Nahrung finden und verhungern.

 

Foto: Dr. Peter Nabitz

Nach ca. 2 Stunden kamen wir wieder auf dem Hof an. Wir haben viel gesehen und erfahren, dass in der Natur weniger – mehr ist.

Exkursion auf der ehemaligen Deponie Künsebeck

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20180621_183344Der NABU-Kreisverband Gütersloh lud am 21.06.2018 zu einer Begehung über das Gebiet der ehemaligen Deponie Künsebeck ein und konnte Ralf Engelhardt, der dieses Gebiet jahrelang betreute und wie seine Westentasche kennt, als Exkursionsleiter gewinnen.

Das Gebiet besteht aus 2 Deponien, Künsebeck I und II genannt und gehörte ursprünglich zur Stadt Halle. Im Rahmen der Gebietsreform 1974 wurde es dem Kreis Gütersloh zugeordnet. Betreiber ist die GEGmbH, Gesellschaft zur Entsorgung von Abfällen im Kreis Gütersloh mbH.

Seit dem Jahre 1966 bis einschließlich 1999 wurden die Halden als Ablageort für Müll aus dem gesamten Kreisgebiet genutzt. Ab 2000 begann die Stilllegungsphase, die lange andauern kann.

20180621_191719Die Rekultivierung der Anlage wird vom Umweltamt Kreis Gütersloh begleitet. Deshalb waren auch Wilhelm Gröver, Leiter des Umweltamtes Kreis Gütersloh und Wolfgang Schulze vor Ort und beantworteten Fragen der interessierten Exkursionsteilnehmer. Um nach der Stilllegung der Halden das Einsickern von Niederschlagswasser zu verhindern, wurde eine Oberflächenabdichtung aufgebracht und zwar in Form von Kombinationsabdichtungssystemen. Diese bestehen meistens aus einer Tonschicht sowie Kunststoffbahnen aus Polyäthylen, ca. 2,5 mm stark, die aufwändig verschweißt und an bestehende Dichtungen angeschlossen werden. Danach wird zur Rekultivierung Kalkboden aufgebracht und Rasen eingesät. Dann erfolgt die endgültige Stilllegung der Deponie und es beginnt die Nachsorgephase.

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Da kein Wasser mehr in das Innere der Deponie eindringt, gehen Deponiegas und Sickerwasser deutlich zurück. Nicht verdunstetes Regenwasser versickert oder wird in einen Vorfluter geleitet. Diese Phase wird von der GEGmbH stetig kontrolliert und dokumentiert, damit gewährleistet ist, dass keine schädlichen Umwelteinflüsse entstehen.
Künsebeck I umfasst ein Ablagerungsvolumen von 750.000 m auf 4,5 h und entstand auf dem ehemaligen Gebiet eines Kalksteinbruchs und wurde von 1966 – 1982 genutzt. Künsebeck II ist ebenfalls auf dem Gebiet des Kalksteinbruchs in direkter Nachbarschaft eingerichtet und umfasst eine Fläche von 8,1 ha mit einem Ablagerungsvolumen von 1,7 Mio. m3, genutzt von 1982 bis 1999.

20180621_182009Seit dem Jahre 1996 wird das Deponiegas verstromt und in das örtliche Stromnetz eingespeist. Lt. Ralf Engelhardt trägt das auch zur Stabilisierung der Müllgebühren bei. Seit 2003 nimmt die Menge des Deponiegases jedoch kontinuierlich ab.
Deponien stellen mit den dazugehörigen technischen Anlagen Beeinträchtigungen und Eingriffe in die Natur dar. Aus diesem Grunde werden Ausgleichs- bzw. Ersatzmaßnahmen durchgeführt. Auf der Deponie Künsebeck werden Schafe gehalten, damit das Gebüsch sich nicht weiter ausbreiten kann und mit dem Wurzelwerk die Folien beschädigen würde. Die Beweidungszeiten werden so gelegt, dass Gräser und Kräuter nach dem Blühen noch aussäen können. So konnte sich ein Magerrasenstandort auf Kalkboden entwickeln, wie er nur noch selten zu finden ist. Es konnten sich auch rar gewordene Pflanzen ansiedeln, die Lebensraum für vielfältige Insekten bieten.

Am Rande des Gebietes in der Nähe des noch aktiven Steinbruchs Müller konnten aufmerksame Besucher 2 junge Uhus beobachten.

Die Witterung dieses Tages bewirkte, dass man einen fantastisch weiten Ausblick hatte bis Paderborn und Beckum, sogar bis Münster.

Wilhelm Gröver gab zum Schluss bekannt, er sei erfreut, berichten zu können, dass die ehemalige Deponie in Zukunft auch für Besucher freigegeben werden wird. Es sind allerdings noch verschiedene Maßnahmen, z. B. zur Verkehrssicherung, nötig.

Exkursion: NABU Kreisverband Gütersloh besichtigt Flora und Fauna am Steinhorster Becken

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Ungewöhnliche Gäste verschiedenster Wasservögel locken zahlreiche Besucher zum Steinhorster Becken. Am 14. April bot auch der NABU Kreisverband Gütersloh eine Exkursion an, um von Rundwanderweg Flora und Fauna zu bestaunen. Fast 30 Naturfreunde waren dabei, um an der Führung mit  Dr. Lackmann von der Biologischen Station Kreis Paderborn teilzunehmen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERADr. Lackmann erläuterte zunächst die Entstehungsgeschichte des Beckens, das ursprünglich als Hochwasserrückhaltebecken geplant war und diese Funktion auch heute noch als wichtigste Funktion erfüllen muss. Nach dem verheerenden Hochwasser der Alme und Lippe 1965 hat man im Kreis Paderborn umfangreich Wasserrückhaltemöglichkeiten geschaffen, um die besiedelten Gebiete vor Überschwemmungen zu schützen. An der Ems im Bereich der Kreisgrenze wurden dazu Dämme/Deiche angelegt, die Hochwässer auf den innerhalb dieses Deiches liegenden Ackerflächen aufstauen sollten.

Anfang der 1970-er Jahre wurde im Frühjahr dann ein Probestau gemacht, um die Funktion der technischen Bauwerke zu prüfen. Auf den flach überstauten Ackerflächen fanden sich in kürzester Zeit eine Vielzahl von Vögeln ein. Man erkannte, dass Flachwasserbereiche in der Umgebung Mangelware waren, insbesondere da bei den durchgeführten Flurbereinigungen Feuchtwiesen und ähnliches verloren gegangen waren. Außerdem rechnete man mit häufigen Einstausituationen und dadurch teuren Entschädigungen der Ackerbesitzer im Einstaubereich. Deshalb fing man an, die Flächen im Beckenbereich zu kaufen. Im Besitz der überwiegenden Flächen plante man nach britischem Vorbild eine Vielzahl an Biotopen und staute die Ems unabhängig vom Rückhaltestauwehr ein.

20180414_115438Überwiegend liegt die Wassertiefe bei maximal einem halben Meter, einzelne Bereiche können bis zu zwei Meter tief sein. In diesen flachen Wasserbereichen fanden sich sehr schnell eine Vielzahl von Vögeln ein, die auf diese Art Lebensraum spezialisiert sind. Welche das sind, ist auf den Schautafeln auf den Aussichtsplattformen des Beckens zu sehen.

Eine Besonderheit des Steinhorster Beckens ist, dass der Einstaubereich nicht begehbar ist, die Interessierten aber auf der Deichkrone um das Gelände herum laufen und dabei Naturbeobachtungen machen können. Die Vögel haben sich schnell an diese Situation gewöhnt, so dass die Fluchtdistanz bei ca. 20-30 Metern liegt. So berichtete Dr. Lackmann, dass die Vögel im Laufe der Jahre gelernt hätten, dass ihnen auf den Brutinseln nichts passiert. Somit können die Besucher die Vögel direkt aus nächster Nähe beobachten, ohne dass sie Vögel davonfliegen und gestört werden. Das ist ja jetzt gerade in der Brutzeit sehr wichtig.

20180414_122948Das Steinhorster Becken entwickelt sich im Laufe der Zeit stetig weiter, so dass einige Planungen aus den 1970-er Jahren heute bereits veraltet sind (z.B. Staubauwerk Ems) bzw. sich als falsch erwiesen haben (Kiesinseln in einem Sandfluss) und dadurch Probleme geschaffen wurden. Die für den Flussregenpfeiffer angelegten Kiesinseln sind im verbuschten Zustand eher Brutplätze der verschiedenen Gänsearten, die dann auf den angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen für Verbissschäden sorgen. Die Biologische Station arbeitet mit anderen Interessensgruppen zusammen, um hier Lösungen zu finden.

Während der Wanderung konnten bereits einige brütende Grau- und Nonnengänse beobachtet werden.

Nach etwa zwei Stunden erreichte die Gruppe die zweite Aussichtsplattform an der nordöstlichen Kante des Naturschutzgebietes. Hier konnte ein Weißstorchpaar auf einem Horst beobachtet werden.

Weitere spannende Exkursionen und Ausflüge sind im Veranstaltungskalender des NABU Kreisverbandes Gütersloh zu finden.

Ferienspiele: Kinder bauen Bienenhotels mit dem NABU und dem Umweltamt der Stadt Gütersloh

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Wildbienenhotels für Bienen bauen – das war bei den Ferienspielen des NABU-Kreisverbandes Gütersloh und dem Umweltamt der Stadt Gütersloh möglich. Bereits zum dritten Mal bot das Duo aus Naturschützern und Stadt die kreative Abwechslung in den Ferien an.

IMG_9700Am Freitag, den 6. April, hatten 8 Kinder einen ganz besonders interessanten Nachmittag: neben dem Bauen von Insektenhotels lernten die Kinder, wie wichtig Bienen für die Natur sind. „Wildbienen erfüllen ganz wichtige Aufgabe. Zusammen mit Honigbienen bestäuben sie Pfanzen, Blumen, Gemüse- und Futterpflanzen, vor allem jedoch Obstbäume, so dass Äpfel und Birnen entstehen“, erklärten Margret Lohmann vom NABU-Kreisverband Gütersloh und Beate Gahlmann vom Umweltamt der Stadt Gütersloh.

Dabei wurde auch verdeutlicht, dass es durch Umwelteinflüsse immer weniger Wildbienen und auch andere Insekten gibt und sie nun speziell die Hilfe des Menschen benötigen. Durch den Rückgang der Insekten insgesamt fehlt auch den Vögeln letztlich die Nahrung. Den Kindern wurde erklärt, dass Wildbienen einzeln lebende – sogenannte solitär lebende – Insekten sind, wohingegen Honigbienen einen Staat bilden und zusammen in einer großen Gemeinschaft leben.

IMG_9704Mit Bausätzen – speziell für die Ferienspiele vom Hans Gloth vom NABU-Kreiverband Gütersloh vorbereitet – machten sich die Kinder dann an den Bau der Wildbienenhotels. Im strahlenden Sonnenschein bastelten und malten sie auf dem Hof von Anette und Ingold Klee, die für die Ferienspiele zu sich geladen hatten.

Die Kinder schliffen die Bausätze an den Kanten glatt, nagelten die Rückseite ein und schraubten das Dach an. Dann füllten sie Fliesenkleber in den Giebel des kleinen Insektenhotels und schon konnte mit dem Bestücken von kleinen, hohlen Rundhölzchen begonnen werden. Diese wurden dicht an dicht eingebracht, da sich das Material beim Nachtrocknen zusammenziehen kann und es zu Lücken kommen würde. Es wurde vorgeschlagen, Zuhause evtl. kleinmaschige Drähte zum Schutz der Insekten vor Vögeln anzubringen, denn auch diese wissen, das sich in dem Bienenhotel für sie leckere Nahrung verbirgt.

IMG_9718Im Laufe des Nachmittages hatten die Kinder noch die Gelegenheit, Ohrwurmhotels zu bemalen. Das waren kleine Tonblumentöpfe, die mit Holzwolle befüllt waren und mittels eines Bindfadens in einen Strauch oder Baum aufgehängt werden können. Die Ohrwürmer sind Nützlinge, verstecken sich dann darin und verzehren Blattläuse, die demnächst wieder an den Pflanzen in dere Umgebung zu finden sind.

Zum Abschluss erklärte Beate Gahlmann noch, dass ein Bienenhotel nur Sinn macht, wenn es richtig aufgehängt ist und sich an einem Ort mit entsprechende Pfanzen als Futter befindet. Und das können die Kinder nun selbst lernen – denn zum Abschied erhileten sie eine Saatmischung Wildblumen mit nach Hause.

NABU Aktivitäten

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Eine Gruppe fleißiger Helfer führte seit Anfang Oktober 2017 Pflege- und Schnittmaßnahmen in der Natur durch. Diese sind jeweils nur im Zeitraum vom 01.10. bis zum 28/29.02. erlaubt. Die Pflegemaßnahmen wurden an 3 verschiedenen Stellen, im Ortsteil St. Vit in Rheda-Wiedenbrück, durchgeführt.

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In dieser Zeit wurden 20 Kopfweiden geschneitelt, die z. T. bereits enormes Astwerk entwickelt hatten. Kopfweiden bedürfen eines regelmäßigen Rückschnitts, weil sie sonst auseinanderbrechen. Im Laufe der Jahre entwickeln diese Bäume aber Asthöhlen, die sehr gern von Steinkäuzen, aber auch Meisen und vor allem Fledermäusen angenommen werden.

Weiterhin wurde in dem Gebiet eine Blänke freigeschnitten.

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Am Samstag, den 24. Februar 2018 fand bei allerschönstem, aber kaltem Winterwetter die letzte Pflegemaßnahme dieses Zeitraums statt. Dieser Termin war auch im Flyer des NABU-Kreisverbands Gütersloh bekannt gegeben worden. So fanden sich ca. 20 Helfer ein, um Aufräumarbeiten, letzte Schneidemaßnahmen sowie Freischnitte an Gewässern durchzuführen.

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Als Dankeschön wurden alle, die noch Zeit hatten, zu einem Frühstück eingeladen. Zu dessen Zweck stellte Familie Flaskamp freundlicherweise ihre Scheune zur Verfügung!

 

Fotos:  Zur Verfügung gestellt von Anette Klee

Artikel: Margret Lohmann

 

NABU besichtigt Windrad

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Am Sonntag, den 8.10.2017 fand am Windrad WA 5 im Bereich Marburg eine Führung durch die Stadtwerke Gütersloh und Herrn Schulze von der Unteren Naturschutzbehörde Kreis Gütersloh statt.

Zunächst erläuterte Herr Lopez-Sommer von den Stadtwerken Gütersloh die technischen Details dieser Anlage, eine inkl. Rotor 210 m hohe Enercon Anlage mit einer Leistung von 3 Megawatt. Die Anlage wurde 2016 errichtet und in Betrieb genommen und besteht zu 2 Dritteln aus Betonelementen, die vor Ort zu Kreisen zusammengesetzt wurden, das obere Drittel besteht aus Stahlelementen. Insgesamt sind sie durch Stahlseile miteinander verbunden, so dass sie ähnlich wie bei einer Stahlbetonbrücke auf Zug stabilisiert werden.

Der Rotorkopf ist durch Motoren drehbar, so dass die Flügel optimal in den Wind gedreht werden können. Jedes Rotorblatt kann einzeln in sich gedreht werden, so dass durch den Winkel zum Wind die Drehgeschwindigkeit den Verhältnissen angepasst werden kann. Durch eine 90-Grad-Stellung kann z.B. die Rotation gestoppt werden, was bei Starkwind oder aus Artenschutzgründen, oder wegen des Schattenwurfes geschehen muss.

Die Geräuschentwicklung des Windrades rührt überwiegend aus der hohen Geschwindigkeit der Flügelspitzen im Betrieb her. Hier wurden an dieser Anlage bereits verschiedene Techniken angewendet, um diese Geräusche zu minimieren. Die abgewinkelten Flügelspitzen z.B. oder kammartige Bereiche an der Flügelinnenseite, die der Federstruktur von Eulen abgesehen sind.

Herr Schulze von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Gütersloh erläuterte anschließend das allgemeine Genehmigungsverfahren für Windenergieanlagen im Kreis Gütersloh.

Zunächst stellte er dar, dass für das betreffende Gebiet ein Flächennutzungsplan vorliegen muss, bei dessen Aufstellung genügend Vorranggebiete für Windenergieanlagen vorgesehen sein müssen. Nur in diesen Vorranggebieten kann dann ein Bauantrag gestellt werden. Diese Vorranggebiete wurden anhand verschiedener Kriterien festgelegt. Tabu sind z.B. Siedlungen, Naturschutzgebiete, Wasserschutzgebiete o.ä. als sogenannte “harte Kriterien”. Außerdem werden Abstände zu bestimmten Gebieten festgelegt, z.B. Mindestabstände zu Gebäuden, Waldbereichen o.ä.. Diese weichen Kriterien sind oftmals Grund für Klagen, da sie individuell gehandhabt werden.

Bei der Baugenehmigung werden dann Maßnahmen festgelegt, die zum einen den Eingriff des direkten Baus der Anlage ausgleichen sollen, wobei hier oft auf das Ersatzgeld ausgewichen wird und Naturschutzmaßnahmen in anderen Bereichen finanziert werden. Zum Anderen werden Artenschutzmaßnahmen festgelegt, z.B. ein Monitoring zum Fledermausflug im Bereich der Anlage, dass zu Ausschaltzeiten führen kann. Außerdem wird z.B. festgelegt, dass die Anlage zu Erntezeiten stehen muss, um Greifvögel, die die abgeernteten Felder bejagen, zu schonen.

Die Stadtwerke Gütersloh betreiben diese Windenergieanlagen, um ihre selbstgesteckten Ziele für die Verwendung regenerativer Energien aus Klimaschutzgründen auch wirklich umzusetzen. Dabei soll auch das Bewusstsein geschaffen werden, dass vor Ort produzierter Strom auch vor Ort in Gütersloh verbraucht wird.

Der NABU-Landesverband steht für den Ausbau von regenerativen Energiequellen, also insbesondere Windrädern, um klimaschädliche Kohlekraftwerke abschalten zu können.

Exkursion Artenschutzflächen Hof Brechmann am Sonntag, 2. Juli 2017

Foto: Margret Lohmann

Am Sonntag, den 02. Juli trafen wir uns auf dem Hof der Familie Brechmann bei leider nicht sehr einladendem Wetter.

Herr Brechmann erzählte ein wenig von der Geschichte des Hofes, der einer der ältesten der Gemeinde Stukenbrock ist. Bereits im Jahre 1989 stellte Gerhard Brechmann auf ökologische Landwirtschaft um, was damals noch für viele ein utopisches Unterfangen war. Seit langem steht Herr Brechmann für den Artenschutz alter Getreidesorten und Ackerkräuter ein.

Foto: Margret Lohmann

Foto: Margret Lohmann

 

Da keine Hofnachfolge angetreten werden konnte, überlegte man sich, wie ein langfristiger Erhalt des Betriebes zu erreichen sei.  Nach vielen Überlegungen, langem Hin- und Her  und sehr vielen Anträgen; Anhörungen usw. wurde der Hof im Dezember 2010 in eine Stiftung umgewandelt. Seitdem widmet sich Gerhard Brechmann noch intensiver um „seine Pflanzen“ und er hat viele neue Erkenntnisse über Naturschutz und Arten dazu gewonnen. Da Herr Brechmann die Altersgrenze erreicht hatte, wurde ein Bewirtschafter eingestellt, der sich mit viel Liebe ebenfalls um die Belange der Landwirtschaft kümmert.

Weiter gingen wir über einen Waldweg, vorbei an dem idyllisch gelegenen Hofteich, der früher die Wasserversorgung des Hofes sicherstellte.

Hier nistet seit über 40 Jahren bereits der Eisvogel. Gerhard Brechmann berichtete, dass vor ein paar Jahren die Altvögel ums Leben gekommen waren. Nachdem er eine Expertin in Soest angerufen hatte und die ihm riet, die Brut in einen Karton zu packen und über ein hinein geschnittenes Loch die Kleinen zu füttern, fand Gerhard Brechmann diese Lösung nicht so ideal und fütterte die kleinen Vögel direkt in der Nisthöhle mittels eines langen Stabes, an dem er kleine (tote) Fischchen heftete. Sehr artig, nach dem so genannten „Eisvogelkarussell“ habe dann die Fütterung der Reihe nach funktioniert. Wenn die ein Fisch angenommen war, stellte sich dieser Vogel hinten wieder an! Wenn alle kleinen Eisvögel gesättigt waren, nahmen sie keine Nahrung mehr an. Zu früh durfte man sich auch nicht auf dem Weg machen, dann schliefen die Kleinen noch und waren somit nicht an Futter interessiert. Also nicht vor 8.00 h morgens!! Eine Fütterung fand erst 2 x und später 3 x am Tag statt und war nach Meinung von Gerhard Brechmann durchführbar. Lt. Gerhard Brechmann müssen Eisvögel das Fischen nicht erlernen, es ist genetisch festgelegt. Die jungen Eisvögel reagieren auf Bewegung unter Wasser. Auch Flugübungen sind vor dem ausfliegen in der engen Höhle nicht möglich. Sie verlassen diese und können fliegen. Von 6 Vögeln kamen 4 durch. Ein guter Schnitt!

Links ging es weiter durch den Wald, wo die Bruthöhle des Schwarzspechtes zu sehen war.

Foto: Margret Lohmann

Foto: Margret Lohmann

 

Dann erreichen wir eine Waldwiese, wo Grillen zu hören waren. Diese wird schon lange extensiv genutzt. In dieser Waldwiese sahen wir den kleinen Klappertopf und die Heidenelke.

Foto: Margret Lohmann

Foto: Margret Lohmann

 

Weiter ging es zu einem Acker, auf dem das kahle Ferkelkraut (rote Liste NRW: 1, vom Aussterben bedroht), derzeit einziger bekannter Standort in NRW, den roten Zahntrost, den kleinen Ackerfrauenmantel, das kleine Filzkraut, Samenkapseln des Sandmohn und (leider nicht mehr blühend)

Foto: Margret Lohmann

Foto: Margret Lohmann

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Foto: Ralf Külker

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

die Ackerfeuerlilien sowie  Kornblumen und Hundskamillen zu finden waren. Auf dem Acker wird Roggen angebaut. Das Getreide nimmt eine Firma ab, die Brot aus Korn aus ökologischem Anbau herstellt.

Eine weitere Feuchtwiese konnten wir aus Zeitgründen nicht mehr erreichen. Im Juli ist diese lt. Gerhard Brechmann auch nicht mehr sehr interessant, da die Pflanzen abgeblüht sind. Es wachsen dort Orchideen, das Breitblättrige Knabenkraut und das großblättrige Zweiblatt. Es wurde hier auch der Gemeine Teufelsabbiss (Succisa pratensis) gefunden. Das war die Blume des Jahres 2015, die seinerzeit von der Loki-Schmidt-Stiftung benannt wurde. Inzwischen hat sich diese Pflanze zu einer stattlichen Population vermehrt. Die Wiese wird erst ab Oktober gemäht, damit Pflanzen sich entwickeln bzw. auch aussamen können.

Dann gingen, wir wieder vorbei an dem idyllischen Teich, zurück zum Hof. Herr Brechmann lud uns ein, beim nächsten Mal im Mai zu einer Exkursion zu kommen, da dann noch viel mehr Pflanzen in voller Blüte anzutreffen seien.

Wir danken Herrn Brechmann für die interessanten Berichte und für die erneute Einladung!

 

Infos über Ackerkräuter:

http://www.schutzaecker.de/?artenliste

Auf Facebook kann man den Hof ebenfalls finden unter „Stiftung Hof Brechmann“.

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