„Nicht nur schauen, sondern riechen, schmecken, fühlen“

Kräuter-Gang in Wiedenbrück. Fotos: Christa Klink und Margret Lohmann

Ein Beitrag von Martina Vogt

Wiedenbrück/Kreis Gütersloh. Beim Kräutergang in Wiedenbrück Mitte Mai drehte sich alles ums Erkennen heimischer Wildpflanzen mit (fast) allen Sinnen. Treffpunkt war der Horstwiesenweg in Wiedenbrück, der direkt an der Ems liegt – genau dort, wo der Gütersloher Naturschutzbund jedes Jahr das Kopfweiden-Schneiteln mit einigen fleißigen Helfenden organisiert.

Trotz kühler Temperaturen blieb es an jenem Dienstagabend während der Exkursion trocken. „Für die Pflanzenvegetation ist das Wetter ideal, denn durch den vielen Regen in der letzten Zeit ist hier alles ins Grün geschossen“, freut sich Christa Klink vom NABU Gütersloh, die den Kräutergang mit insgesamt elf Teilnehmenden leitete. Ziel der Exkursion war es, gerade Anfängerinnen und Anfängern, essbare Wildpflanzen so nahezubringen, dass alle Teilnehmenden diese später eigenständig wiedererkennen können – ohne App oder Bestimmungsbuch.

Fotos: Margret Lohmann

Bewusstes Wahrnehmen war das Motto des Abends. Die Teilnehmenden lernten, Pflanzen anhand von Stängeln, Blattformen und Blattständen zu unterscheiden: ob rund, drei- oder viereckig, hohl oder fest, gezähnt, gebuchtet oder herzförmig. Auch Merkmale wie Behaarung, Geruch oder Geschmack spielten eine wichtige Rolle. „Pflanzenerkennung muss man fühlen, riechen und teilweise schmecken“, erklärte Christa Klink.

Gemeinsam wurden neun verschiedene Pflanzenarten untersucht und vorgestellt. (Download Kräuter-Quiz) Während des Rundgangs ging es nicht nur um die Pflanzen selbst, sondern auch um ihre Bedeutung für Insekten. Besonders Frühblüher wie Gundermann (auch ein idealer Bodendecker)oder Gänseblümchen standen im Fokus. Als wichtiger Nahrungsspender bei Trachtenlücken ist gerade das Gänseblümchen eine wertvolle Pflanze für Insekten, weil es von März bis weit in den Winter hinein blüht. Leider hat es gegen den Mähroboter keine Chance. Löwenzahn hingegen hat nur eine vergleichsweise kurze Blütezeit. Auf seine gelben Blüten stehen besonders die Schwebfliegen. „Die gelten als wichtige biologische Schädlingsbekämpfer, da ihre Larven Blattläuse fressen“, weiß Klink.

Fotos: Christa Klink

Wer mehr über Insekten wissen möchte, kann sich für die im August angedachte Insektenexkursion mit dem Entomologen Christian Venne von der Biologischen Station Paderborn/Senne anmelden.

Am Ende der Veranstaltung gab Klink Ideen für Kräuterrezepte und Anwendungsmöglichkeiten in die Runde. Eine selbstgemachte Spitzwegerich-Salbe, die bei Insektenstichen helfen kann, konnten die Teilnehmenden direkt ausprobieren. Gleichzeitig gab sie den Hinweis, dass Menschen mit Allergien oder wenig Erfahrung mit Wildpflanzen generell etwas vorsichtiger sein und im Zweifel vorher ärztlichen Rat einholen sollten.

Fotos: Christa Klink

Zum Abschluss gab es eine kleine Verkostung mit zahlreichen Beispielen aus der Wildkräuterküche: Gänseblümchen-Tee, Klettenlabkraut-Wasser, Kapern aus Bärlauchknospen (schmecken nach Knoblauch, werden mit Olivenöl, Raps- oder Sonnenblumenöl angerührt, die Knospen müssen vorab 3-5 Tage in Salz eingelegt werden, um ihnen die Feuchtigkeit zu entziehen), Blätterteig-Schnecken mit Wiesenbärenklau-Aufstrich, ein Dip aus Giersch und Brennnessel, einPesto von der Knoblauchsrauke sowie Gewürzsalz aus Gundermann gab es als Kostprobe für alle Kräuter-Feinschmecker. Christa Klink erklärte dazu, dass sich grundsätzlich aus vielen Wildkräutern Pesto herstellen lasse und viele Pflanzen auch für Smoothies geeignet seien. Aus den Zungenblüten des Löwenzahns könne sogar ein veganer Honigersatz hergestellt werden.

Interessant ist auch der Hinweis auf den hohen Eiweißgehalt der Brennnessel: In der Trockenmasse enthält sie rund 40 Prozent Eiweiß und liegt damit im Bereich der Sojabohne mit etwa 36 bis 56 Prozent.

Hier finden Sie ein Rezept für ein Giersch-Pesto.

Fotos: Margret Lohmann

Kräutergang – Foto: Margret Lohmann

Gerhard Wulfhorst vom NABU Gütersloh machte deutlich, dass Wildpflanzen nicht einfach überall gesammelt werden dürfen. Besonders Wiesen und Weiden seien häufig Privatgelände. Als Landwirt wünsche er sich mehr Rücksicht und ein vorheriges Fragen der Eigentümer vor Betreten der Flächen.

Wildkräuter möglichst im eigenen Garten anzusiedeln, das sei die beste Variante, so Christa Klink weiter. Das spare Wege und ermögliche einen nachhaltigen Zugang zu den Pflanzen. Selbst auf dem Balkon lasse sich vieles kultivieren. „So können wir die Schätze der Erde zu uns nach Hause holen, welche sehr nährstoffreich, kostengünstig und dazu noch pflegeleicht sind.“

*Auflösung zum Kräuter-Quiz