Stunde der Wintervögel

UPDATE

Wintergoldhähnchen sorgen für Begeisterung | Deutlicher Einbruch beim Haussperling

PRESSEMITTEILUNG NABU NRW | Nr. 04/26 | 22. Januar 2026
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NABU NRW bedankt sich für rege Teilnahme bei der Wintervogelzählung 2026

Düsseldorf – Die Ergebnisse der diesjährigen NABU-Wintervogelzählung stehen fest: Bundesweit führt der Haussperling zwar weiterhin die Liste der häufigsten Wintervögel in unseren Gärten und Parks an. Allerdings mit Verlusten im Vergleich zum Vorjahr. In Nordrhein-Westfalen fallen diese aber so stark aus, dass der Haussperling auf den dritten Platz abrutscht. Kohlmeise, Amsel, Buchfink und Rotkehlchen konnten sich dagegen bundes- wie landesweit erholen. Besonders erfreulich: Diesmal war die Teilnahme wieder deutlich höher als in den vergangenen Jahren – 26.702 Teilnehmende in Nordrhein-Westfalen zählten in rund 19.000 Gärten mehr als 560.000 Vögel und meldeten ihre Beobachtungen an den NABU.

Der deutliche Rückgang des Haussperlings in der aktuellen Auswertung ist erschreckend: Im Vergleich zum Vorjahr wurden bundesweit 15 Prozent weniger Haussperlinge in unseren Gärten beobachtet, in NRW waren es sogar 26 Prozent weniger. D.h. nur in 40 Prozent der nordrhein-westfälischen Gärten wird der Haussperling überhaupt noch gesichtet und dort auch nur noch mit durchschnittlich drei Exemplaren. Zu seiner besten Zeit 2021/2022 waren es noch 5 Exemplare in jedem zweiten Garten. „In den städtischen Ballungsräumen hierzulande wurde er dabei schon immer seltener beobachtet als im Umland. Dass die Sichtungen nun auch in der Fläche einbrechen, macht uns große Sorgen“, erklärt Christian Chwallek, Vogelexperte beim NABU NRW.

Für Begeisterung sorgten bei dieser „Stunde der Wintervögel“ dagegen die gestiegenen Beobachtungen des Wintergoldhähnchens. „Der kleinste Vogel Europas lebt in Nadel- und Mischwäldern. Er bleibt im Winter hier und ist bei kalter Witterung und geringem Futterangebot gerne häufiger in Gärten und Parks unterwegs. Das erklärt die besonders stark gestiegenen Meldungen aus waldreichen Kreisen wie Olpe, dem Oberbergischen Kreis oder dem Ennepe-Ruhr-Kreis. Möglicherweise gab es auch Verstärkung durch den Zuzug von Wintergästen aus dem Nordosten“, erklärt Chwallek.

Bei den typischen Wintergästen am Futterhäuschen ergibt sich kein eindeutiges Bild: Während Buntspecht, Schwanzmeise und Kleiber häufig gesichtet wurden, blieben sonst häufige Gäste wie Gimpel und Kernbeißer, aber auch Erlenzeisige und Bergfinken eher eine Rarität an nordrhein-westfälischen Futterhäuschen. Chwallek: „Das spricht trotz widriger Witterungsbedingungen am Zählwochenende für eine ausreichende Futterlage in den natürlichen Lebensräumen. Aus demselben Grund ist wohl auch der Zuzug von Erlenzeisigen und Bergfinken bis nach Nordrhein-Westfalen in diesem Jahr ausgeblieben. Ganz im Gegensatz zu den nordischen Drosselarten wie Rot- und Wacholderdrossel, die dieses Jahr landesweit deutlich häufiger beobachtet werden konnten.

Ist der Rückgang einzelner Arten schon erschreckend genug, noch mehr Sorge bereitet Vogelfreunden und -freundinnen der seit Jahren beobachtete Rückgang der durchschnittlich pro Garten beobachteten Vögel. Wurden zu Beginn der Zählaktion im Durchschnitt um die 40 Vögel pro Garten in Nordrhein-Westfalen gezählt, finden sich dort heute noch knapp 30 wieder – die niedrigste Zahl seit 16 Jahren.

„Die kontinuierliche Abnahme der Vögel pro Garten zeigt deutlich, dass unsere Vogelwelt unter Druck steht. Krankheiten, intensive Flächennutzung und der Verlust von Lebensräumen setzen den Vögeln zu“, so NABU-Landesvorsitzende Dr. Heide Naderer. Als Bioindikatoren spiegeln Vögel den für die Artenvielfalt zumeist negativen Wandel der Natur wider. Natürlich könnten sie ebenso Erfolge von Lebensraumaufwertungen belegen. „Dazu wäre allerdings erforderlich, dass alle notwendigen und bewährten Maßnahmen zum Erhalt und zur Förderung der Biodiversität endlich im großen Maßstab umgesetzt werden“, so Naderer weiter.

Aktuelle Ergebnisse ab Start der Aktion unter http://www.stundederwintervoegel.de oder landesweit unter https://nrw.nabu.de/stundederwintervoegelnrw/


Düsseldorf – Wenn es frostig wird, möchten viele Menschen den heimischen Vögeln bei der Futtersuche helfen, damit sie gut durch den Winter kommen. Hier überwinternde Tiere und Pflanzen sind zwar an die dann herrschenden Witterungsbedingungen angepasst, dennoch kann man gerade Vögel in unseren Gärten mit geeignetem Futter unterstützen. Denn bei erhöhtem Energiebedarf ist es bei winterlichen Bedingungen schwierig, ausreichend Nahrung zu finden.

„Wer jetzt füttert, sollte darauf achten, dass die Futtergäste nicht im Futter herumlaufen und es verschmutzen können“, sagt NABU-NRW-Vogelexperte Christian Chwallek. Deshalb sollte das Futter in Silos angeboten werden. So bekommen die Vögel nur kleine Portionen, die sie direkt aufpicken können und das Futter ist vor Nässe und Witterungseinflüssen geschützt.

Wer herkömmliche Futterhäuschen benutze, sollte sie unbedingt täglich mit heißem Wasser reinigen und nur wenig Futter nachlegen. Die Futterstelle sollte gut einsehbar sein für die Vögel, damit sich Katzen nicht unbemerkt anschleichen können.

Als Futter eignen sich Sonnenblumenkerne sehr gut. Sie werden von fast allen Arten gefressen. Bei ungeschälten Kernen fällt zwar mehr Abfall an, dafür verweilen die Vögel länger am Futterplatz. Körnerfresser wie Meisen, Finken und Sperlinge freuen sich auch über Freiland-Futtermischungen, die verschiedene Sämereien in unterschiedlicher Größe enthalten. Weichfutterfressern wie Rotkehlchen, Heckenbraunellen, Amseln und Wacholderdrosseln können Rosinen, Äpfel oder Haferflocken in Bodennähe angeboten werden.

Meisen lieben auch Gemische aus Fett und Körnern, die man selbst herstellen oder als Meisenknödel kaufen kann. Es sollten aber keine Plastiknetze sein, darin können sich die Vögel verheddern oder gar schwer verletzen. Absolutes „No-Go“ bei der Vogelfütterung sind Brotreste. Die vertragen die Tiere nicht. Gleiches gilt auch für Enten.

Dr. Heide Naderer, Vorsitzende des NABU NRW, ruft alle Naturfreund:innen auf,
im Zeitraum vom 09. bis 11. Januar 2026 eine Stunde lang die Vögel am Futterhäuschen, im Garten, auf dem Balkon oder im Park zu zählen und dem NABU zu melden.

Weitere Infos unter http://www.nrw.nabu.de/stundederwintervoegelnrw/
oder  http://www.stundederwintervoegel.de.