Insekten-Exkursion in die Moosheide. Foto: Martina Vogt
Ein Nachbericht von Martina Vogt
Kreis Gütersloh. Wie wäre es mal mit einem Perspektivwechsel? Betrachten wir die Welt der Tiere (vornehmlich der Insekten) und Pflanzen vor unserer Haustür doch einmal aus einem ganz anderen Blickwinkel. Genauer hinschauen, genauer hinhören, was um uns herum so fliegt und krabbelt … Das war das Ziel der Insekten-Exkursion in die Moosheide, einem großen Naturschutzgebiet der Senne.
Gemeinsam mit dem Entomologen Christian Venne von der Biologischen Station Paderborn-Senne hatte der NABU Kreisverband Gütersloh Ende August zu einer Entdeckungstour in das über 440 Hektar große Naturschutzgebiet (Kreis Paderborn: ca. 280 Hektar in Hövelhof, Kreis Gütersloh: ca. 160 Hektar in Schloß Holte-Stukenbrock) eingeladen, der sich rund 20 Naturinteressierte anschlossen.
Die Lebensräume vieler Insekten- und anderer Tierarten, die Bedeutung der Landschaftspflege und die Auswirkungen von Hitze und Trockenheit auf die Moosheide waren Themen, über die Christian Venne und auch Wilhelm Gröver, ehemaliger Leiter der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Gütersloh, während der Wanderung referierten. Dass die Moosheide weit mehr als nur eine schöne Heidelandschaft ist, wurde vielen Exkursions-Teilnehmenden im Verlauf der Wanderung schnell klar: Auf engem Raum treffen hier trockene Heideflächen und Sandmagerrasen auf feuchte Bachtäler und Quellen. Diese unterschiedlichen Lebensräume machen das Gebiet zu einem beeindruckenden Landschaftsbiotop.
Die Heide leidet …
Mit jedem weiteren Schritt durch das Gebiet wurde deutlich, wie stark sich die Trockenheit auf die Landschaft auswirkt. „Besonders an Stillgewässern und im Grünland habe ich deutliche Veränderungen beobachtet. Während viele Arten der trockenen Heide an solche Bedingungen angepasst sind, geraten Tiere feuchter Lebensräume zunehmend in Schwierigkeiten“, so Venne. Als Beispiel nennt der Entomologe die Sumpfschrecke. Sie legt ihre Eier im Boden ab, wo sie auf ausreichend Feuchtigkeit angewiesen ist. Trocknen die Böden aus, kann sich die Art dort nicht mehr erfolgreich entwickeln.
Auch die Heide selbst leidet unter der zunehmenden Hitze und Trockenheit. Nach Einschätzung Vennes blühte die Heide in diesem Jahr teilweise früher ab; an manchen Stellen kam es sogar dazu, dass die Pflanzen gar nicht richtig blühten. „Zwar kann die Besenheide Trockenperioden verkraften, wiederholen sich solche Bedingungen jedoch über mehrere Jahre, können ältere Pflanzen absterben.“ Das Problem reicht noch weiter: Unter der Heide befindet sich eine Moosschicht. Für die Keimung der Heide benötigt der Samen aber Licht. Stirbt die alte Heide ab, kann sich deshalb nicht automatisch eine neue Generation entwickeln. Pflegemaßnahmen wie Beweidung oder das Entfernen der Moosschicht können dann notwendig werden.

Wanzen: Besser als ihr Ruf
Eine der ersten Insektengruppen, mit denen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beschäftigten, waren die Wanzen. Dabei räumte Christian Venne zunächst mit einem Vorurteil auf: Nicht alle Wanzen stinken. Weltweit gibt es rund 40.000 Wanzenarten, in Deutschland knapp eintausend. Viele davon sind faszinierende und keineswegs unangenehme, duftversprühende Tiere. Ein Beispiel ist die Amerikanische Kiefernwanze, die unbeabsichtigt nach Europa eingeschleppt wurde und sich hier stark ausbreitet. Wanzen besitzen einen Rüssel, mit dem sie Pflanzenteile anstechen und deren Säfte aufnehmen können. Zu ihren Verwandten gehören allerdings auch die berüchtigten Bettwanzen, die als Kulturfolger betrachtet werden.
Bei den Baumwanzen können tatsächlich unangenehme Geruchsstoffe eine Rolle spielen. Für Insektenkundige kann das sogar bei der Arbeit mit einem Exhaustor problematisch werden – einem Hilfsgerät, mit dem kleine Tiere aus einem Kescher aufgenommen und angesaugt werden. Gleichzeitig breiten sich aufgrund des Klimawandels zunehmend südliche Wanzenarten nach Norden aus. Venne verwies unter anderem auf Arten wie Hasel-Randwanze, Grüne Reiswanze und die Lindenwanze.
Senner Pferde als Landschaftspfleger
Wie eng die Lebensbedingungen der Tiere mit der Landschaftspflege verbunden sind, wurde besonders deutlich, als sich die Gruppe den Senner Pferden näherte, die in der Moosheide zur Beweidung eingesetzt werden. Die Pferde spielen dabei eine besondere Rolle und gelten – nebenbei bemerkt – als älteste Pferderasse Deutschlands. Ihre Geschichte reicht mehr als 850 Jahre zurück.

Ein Beweidungsprojekt mit den Senner Pferden gibt es in der Region bereits seit 26 Jahren. Die Tiere helfen dabei, die Heideflächen offenzuhalten und unterschiedliche Strukturen zu schaffen. „Pferde sind starke Futter-Selektierer: Sie fressen bevorzugt schmackhafte Gräser und lassen weniger attraktive Pflanzen stehen. Dadurch entstehen nebeneinander sehr kurz gefressene Bereiche und höhere Vegetationsbestände“, erklärt uns der Experte. So entstehe ein regelrechtes Mosaik verschiedener Lebensräume und Mikro-Klimata. Untersuchungen der Biologischen Station Paderborn-Senne zeigen, dass diese Strukturen der Artenvielfalt zugutekommen. Allerdings können die Pferde allein die Verbuschung nicht verhindern. Birken beispielsweise werden von ihnen kaum gefressen. Deshalb muss die Biologische Station bei der Landschaftspflege ergänzend eingreifen.
Kleiner Recycling-Profi, der Frühlingsmistkäfer
Am Pferdemist wurde ein weiterer Bewohner der Senne entdeckt: der Frühlingsmistkäfer. Die Käfer sind im Gebiet häufig und übernehmen eine wichtige Aufgabe: Sie bringen den Kot von Tieren wie Damwild und Pferden in den Boden. Dafür graben sie den Mist direkt vor Ort ein. Anschließend legen sie ihre Eier daran ab. Die später schlüpfenden Larven ernähren sich vom Mist.
Der Frühlingsmistkäfer ist mit den bekannten Scarabäus-Käfern (aus Ägypten) verwandt. Besonders auffällig sind seine kräftigen, gezackten Grabbeine, mit denen er sich durch den Boden arbeiten kann. Manche Käfer tragen Phoretische Milben. Sie nutzen die Käfer als Transportmittel, quasi als Taxi. Für die Käfer ist diese Mitnahme normalerweise nicht schädlich. Andere Milbenarten sind dagegen deutlich problematischer und können beispielsweise die Hämolymphe (Körperflüssigkeit von Wirbellosen) ihrer Wirte saugen.
Schwebfliegen: Meister der Täuschung
Auch Schwebfliegen konnten während der Exkursion beobachtet werden. Allein in Deutschland gibt es hunderte Arten. Und viele von ihnen sind ausgesprochen nützlich: „Die Larven zahlreicher Arten ernähren sich von Blattläusen. Im Garten sollte man sich deshalb über Schwebfliegen freuen“, betont Venne. Die Weibchen legen ihre Eier häufig direkt in Blattlauskolonien, sodass die Larven unmittelbar mit der Nahrung versorgt sind. Andere Arten entwickeln sich in morschem Holz oder sogar im Wasser. Eine Besonderheit vieler Schwebfliegen ist ihre Ähnlichkeit mit Bienen oder Wespen. Das ist kein Zufall. Durch ihre ähnliche Färbung profitieren die harmlosen Fliegen von einer sogenannten Bienen- oder Wespen-Mimikry, die sie vor Fressfeinden schützt.
Christian Venne erklärte den Mechanismus anschaulich: „Vögel lernen aus Erfahrungen. Eine junge Meise, die einmal eine Wespe schnappt und gestochen wird, wird diesen Fehler vermutlich nicht noch einmal machen. Insekten, die wie wehrhafte Wespen oder Bienen aussehen, können deshalb einen Selektionsvorteil haben. Schwebfliegen nutzen diesen Vorteil, obwohl sie selbst völlig harmlos sind.“ Ein einfaches Erkennungsmerkmal der Schwebfliegen: Wie alle Fliegen besitzen sie nur ein Flügelpaar. Das zweite Flügelpaar ist zu sogenannten Schwingkölbchen umgebildet. Bienen besitzen dagegen vier Flügel.

Beeindruckende Baumeister
Auch Ameisen gehören zum charakteristischen Bild dieser Landschaft. Nach Angaben der Bio-Station gibt es an die 200 Nesthügel hügelbauender Waldameisenarten. Ein Teil dieser Tiere wurde im Zusammenhang mit dem Bau der A33 umgesiedelt. Und manche Nesthügel erreichen beeindruckende Größen. „Die gehen einem auch schon mal bis zur Hüfte“, schildert der Experte seine Erfahrungen (bis zu einem Meter hohe Hügel).
Zu den vorkommenden Arten zählen unter anderem die Rote Waldameise, die Kahlrückige Waldameise, die Gelbe Wiesenameise und die Blutrote Raubameise. „Letztere ist besonders interessant: Sie kann die Nester anderer Ameisenarten überfallen und übernehmen. Alle Ameisenarten haben vorn einen Kopfschild. Bei der Blutroten Raubameise ist der Kopfschild jedoch eingebuchtet, damit sie besser Köpfe umfassen und abtrennen können. Das ist deren Bestimmungsmerkmal“, so Venne weiter. Ameisen sind allerdings nicht nur faszinierende Tiere, sie können auch ernstzunehmende Probleme verursachen. Es gibt Arten, deren große und weit verzweigte Nester technische Anlagen besiedeln können. In Süddeutschland wurden beispielsweise Störungen an Ampelanlagen mit Ameisen in Verbindung gebracht. Die Art, die diese Probleme verursacht ist die Große Drüsenameise, eine invasive Art. „Das sind Dinge, die auch auf unsere Region zukommen können“, vermutet der Bielefelder.
Rohboden ist kein Problem, sondern wertvoller Lebensraum
Auf den ersten Blick wirken kahle Sandflächen wie Stellen, an denen der Natur etwas fehlt. Für viele Insekten sind solche Rohbodenflächen jedoch sehr wertvoll. Die Senner Pferde tragen durch ihr Verhalten dazu bei, solche Bereiche zu schaffen. Sie scharren und wälzen sich und erzeugen dadurch offene Bodenstellen. Genau diese Flächen benötigen zahlreiche Spezialisten: der Sandlaufkäfer, erdnistende Wildbienen und Grabwespen wie der Bienenwolf.
Auch wärmeliebende Arten finden hier ideale Bedingungen, denn auf den offenen Sandflächen können die Temperaturen im Sommer deutlich höher steigen als in dichter Vegetation. Damit wird deutlich, dass eine „ordentlich“ aussehende Landschaft nicht automatisch eine artenreiche Landschaft ist. Für viele Spezialisten sind gerade die offenen, sandigen und scheinbar kargen Stellen unverzichtbar.
Spätblühende Traubenkirsche auf dem Vormarsch
„Ein Eichen-Birken-Mischwald mit Eberesche und Faulbaum – so sähe die natürliche Vegetation in der Senne aus“, fährt Christian Venne fort. Die beiden Gehölzarten Eberesche (oder auch Vogelbeere) und Echter Faulbaum spielen als Pionier- und Unterholzgehölze eine wichtige ökologische Rolle. Doch in der Moosheide breitet sich eine andere Baumart besonders stark aus: die Spätblühende Traubenkirsche. Sie ist leicht an ihrem charakteristischen Geruch zu erkennen, der tatsächlich an Bittermandel erinnert. „Was erst einmal harmlos wirkt, kann für die heimische Vegetation problematisch werden, denn die Spätblühende Traubenkirsche besitzt entscheidende Konkurrenzvorteile“, warnt der Forscher. Die Art hat das Potenzial, die Zusammensetzung der Wälder langfristig zu verändern und andere Arten zu verdrängen.
Ein Grund dafür ist das Fressverhalten des Damwilds. Zwar frisst es auch die Spätblühende Traubenkirsche, bevorzugt aber junge Eichen und Ebereschen. Während diese Gehölze dadurch stärker verbissen werden, kann die Traubenkirsche ungestört weiterwachsen. Hinzu kommt ihre effektive Verbreitung durch Vögel: Sie fressen die Früchte und scheiden die Samen an anderen Orten wieder aus. Das lässt sich in der Senne vielerorts beobachten. Unter einzeln stehenden Bäumen, etwa Kiefern auf der Heide, wachsen häufig junge Spätblühende Traubenkirschen. Die Vögel nutzen die Bäume als Sitzplätze und hinterlassen dabei die Samen. So gelangt die Traubenkirsche immer wieder an neue Standorte – und breitet sich zunehmend in der Landschaft aus.
Die Quellen der Senne
Ein besonderer Punkt der Exkursion war die Emsquelle. „Als die Ringstraße gebaut wurde, hat sich die Emsquelle nach hier verlagert“, erzählt Wilhelm Gröver und betont, „dass sich die Quelle definitiv im Kreis Gütersloh befindet, nicht in Hövelhof, wie viele meinen!“, und lacht. Die Idee früherer Heimatliebhaber war: Die Emsquelle müsse man doch sehen können! Also entschied die Landschaftsbehörde, dass die Quelle wieder in einen naturnahen Zustand versetzt werden und gleichzeitig für die Bevölkerung zugänglich bleiben soll. Daraus entstand der bekannte Holzweg, der Besucher:innen heute durch den Quellbereich führt.
„Die Quellen in der Senne sind etwas ganz Besonderes“, fährt Christian Venne fort, während die Gruppe auf dem Holzweg eine Pause einlegt. Es sind überwiegend Sickerquellen, bei denen das Wasser aus dem Boden austritt, statt direkt aus dem Fels zu entspringen. Das Wasser besitzt das ganze Jahr über eine relativ konstante Temperatur von etwa acht bis zehn Grad Celsius. In diesen Quellsystemen leben beispielsweise Köcherfliegen und Steinfliegen, die an die besonderen Bedingungen angepasst sind. Charakteristisch für die Senne sind große Quellsümpfe, die sich weit in die Täler hineinziehen. „Aus diesen Quellbereichen entwickeln sich Fließgewässer, die die Landschaft über Jahrhunderte hinweg geprägt haben. Zur Zeit des Heidebauerntums waren diese Täler wichtige Wirtschaftsräume“, fährt Wilhelm Gröver fort. Um mehr Grünland für Weidewirtschaft und Heugewinnung zu schaffen, versteilten die Menschen teilweise die Hänge, verlegten die Bäche künstlich an eine Talseite und ebneten die Talsohlen ein. „Auch der Kalkgehalt des Wassers aus dem Teutoburger Wald spielte eine Rolle: Er trug zur Nährstoffversorgung der Gewässer und Grünlandflächen bei“, erläutert Gröver die historischen Zusammenhänge.
Die Heide: Ergebnis jahrhundertealter Nutzung
Die Heidelandschaft, so wie wir sie heute kennen, ist keineswegs ein ursprünglicher Naturzustand. Sie wurde über Jahrhunderte durch den Einfluss des Menschen geprägt. Die nährstoffarmen Sandböden der Senne boten nur begrenzte Möglichkeiten für den Ackerbau. Heideflächen und Weidetiere spielten deshalb eine wichtige Rolle in der historischen Wirtschaftsweise. Eine besondere Bedeutung hatte das Plaggen. Heideboden wurde abgetragen, als Einstreu im Viehstall und anschließend als Dünger auf Äckern verwendet. Dafür benötigte man ein Vielfaches der Ackerfläche als Plaggenfläche. Eine Pflanze profitierte von dieser Bewirtschaftungsform besonders: die Besenheide. Ihre Samen bleiben im Boden erhalten. Wird der Boden später wieder freigelegt, kann die Heide erneut keimen.





Die Heide braucht Wasser
Für die Heide selbst werden die zunehmenden Trockenperioden zu einem Problem. „Der Heide geht’s am besten, wenn wir einen feuchten, nassen Sommer haben“, laut Venne. In besonders heißen und trockenen Jahren kann die Blüte deutlich schwächer ausfallen. Das hat Folgen für die gesamte Lebensgemeinschaft. Blühende Heide bietet großen Mengen an Insekten Nahrung. Früher konnten während der Heideblüte beispielsweise zahlreiche Tagfalter beobachtet werden. Das sei heutzutage ein eher seltenes Bild.
Die Feldgrille erobert die Umgebung
Ein eindrucksvolles Beispiel für die Bedeutung der Senne als Rückzugsraum ist die Feldgrille. In den 1950er-Jahren war sie in Ostwestfalen-Lippe nahezu ausgestorben. Nur wenige Vorkommen gab es noch auf dem Truppenübungsplatz in der Senne. Heute ist die Situation völlig anders, weiß der Entomologe zu berichten. „Die Feldgrille hat sich aus der Senne weit in das Umland ausgebreitet – unter anderem nach Rietberg und Gütersloh. Das ist bemerkenswert, weil Feldgrillen normalerweise nicht fliegen können. Ihre Ausbreitung erfolgt daher überwiegend zu Fuß.“ Eine ungewöhnliche Unterstützung bekommen sie dabei durch Weidetiere. Die Larven leben in Gängen im Boden. Wenn Schafe auf der Fläche liegen, können sich die kleinen Grillen in deren Fell zurückziehen und auf diese Weise auf neue Flächen gelangen.
Zauneidechsen mit persönlichem Fingerprint
Obwohl die Exkursion hauptsächlich den Insekten gewidmet war, kamen auch andere Tiere zur Sprache. Besonders interessant waren die Zauneidechsen. „Ihre individuelle Rückenzeichnung macht jedes Tier unverwechselbar. Die Musterung funktioniert wie ein Fingerabdruck und verändert sich im Laufe des Lebens nicht so, dass die individuelle Identität verlorengeht“, so Venne. Das ermöglicht eine fotografische Erfassung von Populationen. Eine Software kann die individuellen Zeichnungen miteinander vergleichen. Christian Venne berichtete von einem Umsiedlungsprojekt an der A33, bei dem Zauneidechsen von einer für den Ausbau vorgesehenen Fläche umgesetzt wurden. Über einen Zeitraum von drei Monaten wurden dort mehr als 270 Tiere per Hand gefangen. Auch über die Gefahren für Zauneidechsen wurde gesprochen. Zu ihren Fressfeinden gehören Turmfalken, Rabenvögel, aber auch freilaufende Hauskatzen. In der Senne kommt zudem die Schlingnatter vor, die auf Eidechsen spezialisiert ist.
Warum Hitze den Insekten zusetzt
Am Ende der Exkursion kam eine zentrale Frage auf: Wurden an diesem Tag weniger Insekten beobachtet als sonst? Vennes Antwort fiel eindeutig aus: Ja. Grund dafür sei unter anderem die trockene Heide. Das Blütenangebot ist schlechter, wenn Pflanzen aufgrund der Trockenheit weniger oder früher blühen. Zusätzlich kann die Hitze selbst die Lebensdauer vieler Insekten beeinflussen. „Besonders problematisch wird es, wenn Raupen ihre Entwicklung nicht abschließen können. Trocknet ihre Futterpflanze ab, bevor die Raupe sich verpuppt hat, kann auch die Raupe zugrundegehen.“ Offenlandarten sind der Hitze dabei häufig besonders stark ausgesetzt. Als Beispiel nannte der Forscher den Hauhechelbläuling, der unter normalen Bedingungen in der Heide beziehungsweise im Offenland häufiger zu erwarten wäre.
Spektakulärer Fund zum Abschluss
Zum Ende der Exkursion wartete noch ein besonderer Schatz: Eine Teilnehmerin entdeckte eine Goldwespe. Die zu den Stechimmen gehörenden Hautflügler leben als Kuckucks- beziehungsweise Brutparasiten, die ihre Eier in die Nester anderer Stechimmen schmuggeln. „Und das hier ist eine Art, die als Parasit beim Bienenwolf lebt“, berichtet Venne begeistert. „Der Bienenwolf ist eine relativ große Grabwespe. Die Weibchen gehen auf die Jagd nach Honigbienen. Nach erfolgreicher Jagd transportieren sie ihre Beute im Flug zum eigenen Nest. Genau diesen Moment nutzt die Goldwespe aus. Sie lauert in der Nähe des Nestes und heftet ihr Ei an die transportierte Honigbiene. Der Bienenwolf bringt damit ungewollt nicht nur Nahrung für seine eigene Nachkommenschaft, sondern auch einen Parasiten in sein Nest.“ Was makaber klingt, ist aus ökologischer Sicht ein faszinierendes Beispiel für die komplexen Beziehungen zwischen Arten. Auch die Bienenwolf-Weibchen selbst können in großer Zahl auftreten. In geeigneten Bereichen wurden bereits hunderte Nester nebeneinander gefunden. Für Menschen sind die solitär lebenden Tiere aber ungefährlich.
Ein Blick, der bleibt
Die Exkursion durch die Moosheide hat gezeigt, wie viel Leben sich auf kleinstem Raum entdecken lässt. Vom winzigen Mistkäfer über faszinierende Wanzen und Schwebfliegen bis hin zu Feldgrillen, Ameisen und Zauneidechsen: Jedes Lebewesen erfüllt eine wichtige Funktion. Gleichzeitig machte die Führung deutlich, wie empfindlich dieses Gleichgewicht ist. Trockenheit, Hitze und der Verlust geeigneter Lebensräume setzen vielen Arten zu. Umso wichtiger ist der Schutz der Heide- und Feuchtlebensräume. Wer nach dieser Exkursion durch die Moosheide geht, dürfte jedenfalls genauer hinschauen. Denn zwischen Heidekraut, Sand und Gräsern wartet eine erstaunlich vielfältige Welt – man muss nur einmal die Perspektive wechseln …












