Monthly Archives: August 2018

Exkursion „Grillen mit Grillen“ in der Niehorster Heide

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Der NABU-Kreisverband Gütersloh lud am 13. Juli 2018 ein zur Exkursion in die Niehorster Heide. Der Treffpunkt war das ehemaligen Nato-Tanklager der Britischen Royal Navy.

1Wolfgang Schulze von der Unteren Naturschutzbehörde Kreis Gütersloh betreut fachlich dieses Gebiet. Er berichtete, dass das Flugbenzin für die Militärjets des Flughafens in Marienfeld aus Sicherheitsgründen abseits gelagert und mittels einer Pipeline zum Flughafen transportiert wurde.

 

 

Foto: Margret Lohmann

Die technischen Einrichtungen wurden nach Aufgabe des Tanklagers auf Dauer gegen Explosionsgefahr gesichert.

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Karte: Kreis Gütersloh

Nach der Bodensanierung wurde der Nacheigentümer der Bundesrepublik Deutschland ein Gütersloher Privatmann, der eine Biogasanlage unter Verwendung der ehemaligen Flugbenzintanks plante. Dieses kam aus immissionsschutzrechtlichen Gründen nicht in Betracht.

Die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Gütersloh und der Fachbereich Umwelt der Stadt Gütersloh konnten den Eigentümer schließlich überzeugen, die mit einem militärischen Sicherheitszaun umgebende Fläche auch nicht weiter als Dammwildgehege zu nutzen. Seit etwa zehn Jahren werden Teile des Geländes nunmehr von den Feldbogenschützen genutzt.

Seit Jahrzehnten wurde das Gelände nicht gedüngt und somit ist der Standort sehr nährstoffarm.

2Durch Sandentnahmen und Überdeckung der Tanks entstanden verschiedene Sonderstandorte aufgrund der besonnten kleinen Hänge oder Feuchtmulden sowie den Waldrand- und Baumgruppeneffekten. Das stellte einen besonderen Standort für Sandmagerrasen und Heideflächen dar.

 

 

Foto: Margret Lohmann

Beides gab es bereits auf der Fläche und war durch die extensive Pflege der Briten erhalten geblieben. Da es sich um eine Kulturlandschaft handelt, ist die fachliche Pflege sehr wichtig. Ohne Mahd oder Beweidung verholzt die Heide und die Gehölze nehmen Überhand, dass heißt, nach zehn Jahren wäre ein Kiefern-Birkenwald entstanden.

Gütersloh war in früherer Zeit, im 18. und 19. Jahrhundert, durch die Heidewirtschaft geprägt und trug daher auch die Bezeichnung „Kleine Heidestadt“. Somit hat die Fläche auch einen kulturhistorischen Wert und ist einzigartig in der Stadt Gütersloh.

Der Artenreichtum der Fläche ist aufgrund des Magerbodens einzigartig. Hier findet man die seltene Heidenelke und auch das blaue Bergsandglöckchen. Der Frühlings Spark, der Kleine Vogelfuß und auch das Gewöhnliche Ferkelkraut sind heutzutage den Menschen kaum noch bekannt. Mehr als 90 Pflanzenarten, einschließlich der Bäume und Sträucher kommen laut einer Kartierung im Jahre 2000 vor. 22 Arten davon stehen auf der Roten Liste. Ebenfalls wurden auf der Fläche 55 Moosarten und 115 Flechten nachgewiesen.

Ferner konnten 25 Vogelarten registriert werden, davon fünf Rote Liste Arten. Zu einer der seltenen Arten zählt die Heidelerche.

Die Zauneidechse ist in diesem Lebensraum ebenfalls zu finden. Auf dem Gelände gibt es zudem die Feldgrillen, mit zu Hunderten rufender Männchen. Diese gaben der Exkursion auch ihren Namen!

3Auf dem Weg konnten wir eine fleißige Grabewespe dabei beobachten, wie sie sich eine Bruthöhle aushob.

 

 

 

 

Foto: Margret Lohmann

Zahlreiche Schmetterlingsarten sind ebenfalls in dem Gebiet vorhanden.

Die Offenbereiche der Fläche sind inzwischen als §30 Biotop nach dem Bundesnaturschutzgesetz ausgewiesen (Zwergstrauch, Ginster- Wacholderheiden, Trockenrasen).

Aufgrund der guten Entwicklung des Geländes des ehemaligen Nato-Tanklagers (mit einer Gesamtfläche von ca. 6 ha) wurden weitere Standorte für Kompensationsanlagen der Stadt Gütersloh, insgesamt ca. 15 ha, hergerichtet. Der Oberboden der Flächen wurde teilweise entfernt und die Flächen sich selbst überlassen bzw. mit Magerrasensamen oder Heidesamen eingesät. Ferner wurden Extensivgrünlandflächen zu diesem Zweck geschaffen.
4Auf dem Rückweg konnten wir die inzwischen auch hierzulande häufiger zu findende Wespenspinne beobachten. Sie bevorzugt einen Trockenrasen- oder auch Feuchtwiesenstandort mit hoher Grillenpopulation. Aber auch andere Insekten wie Wespen, Bienen oder Schmetterlinge sind ihre Beute.

 

 

Foto: Margret Lohmann

Zum Schluss trafen sich alle auf dem Gelände des Bogenschützenvereins. Toren Mikat hatte uns freundlicherweise einen Grill, Bänke und Tische überlassen. So konnte dem Thema „Grillen mit Grillen“ absolut gerecht werden!

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Foto: Margret Lohmann

6Foto: Margret Lohmann

Exkursion zur Orchideenblüte am 06. Mai 2018

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Am Sonntag, den 06.05.2018, hat der NABU Kreisverband Gütersloh zur Exkursion „Orchideenblüte“ auf den Hof Brechmann in Stukenbrock geladen. Der Einladung folgten ca. 30 Gäste.
Herr Brechmann informierte uns nach einer kurzen Begrüßung über den Hof, der sich seit 7 Generationen in Familiensitz befindet. Vor 7 Jahren wurde der Hof in eine gemeinnützige Stiftung der Naturschutz- und Landschaftspflege umgewandelt. Zum Hof gehören 57 ha bewirtschaftete Ackerflächen und 35 ha Wald.

1Ebenso gibt es auf dem Gelände einen großen Teich, der gespeist wird durch die Wapel, die hier noch Wehrbach heißt. Der Teich ist ca. 300 Jahre alt und seit 40 Jahren brütet hier der Eisvogel. Er kann bis zu 3 Bruten im Jahr großziehen.
Durch den Artenschutz auf den Ackerflächen gibt es nicht nur die verschiedensten seltenen Pflanzen sondern auch eine große Insektenvielfalt.
Foto: Sigrid Schwarze
 

Der Sturm Friederike hat in diesem Frühjahr ca. 45 Festmeter Holz (überwiegend Fichte) umgeworfen. Da das Aufräumen zu aufwändig ist in Anbetracht des extrem niedrigen Holzpreises, bleiben die umgefallenen Bäume liegen. Da die Wurzeln größtenteils noch mit dem Erdreich verbunden sind, hat der Baum noch Kraft genug, sich vor dem Befall des Borkenkäfers zu schützen.
2An einem bereits abgesägten Baum (er lag auf dem Weg) konnten wir anhand des feinen, aufgeworfenen Holzmehls den Befall durch den Borkenkäfer sehen. Der Borkenkäfer bohrt sich durch die Rinde des Baumes und legt seine Eier zwischen Rinde und Holzkern. Die Maden fressen diese für den Baum lebenswichtige Schicht. Da der Baum bereits gefällt wurde, kann er sich nicht mehr gegen den Befall wehren und wird auf Dauer vollständig vom Käfer zerfressen. Aus der Made entpuppt sich die nächste Generation Borkenkäfer, die wiederum die anderen Bäume befallen. Um diesen Kreislauf zu unterbrechen, müsste der Baum geschält werden, dadurch würde den Käfern und Maden die Lebensgrundlage entzogen und sie würden absterben. Lt. Herrn Brechmann wird es in ca. 30 Jahren keine Fichten mehr in diesem Wald geben, sondern einen Laub-Mischwald.

Foto: Sigrid Schwarze

3Weiter ging es zu einem naturschutzkonformen Roggenfeld. Zwischen dem Roggen blühte der Sandmohn mit dem schwarzen Auge.

Foto: Dr. Peter Nabitz

 

 

Auch die Wildform der Ackerfeuerlilie ist auf diesem Feld vertreten, sie blüht jedoch erst im Sommer.

Des Weiteren konnten wir die emsigen Sandbienen beobachten, die den lockeren Sandboden benötigen, um ihre Höhlen zu bauen.
4Zum Schutz der Insekten dürfen die Äcker im Winter nicht bearbeitet werden.
Dann gingen wir zu einer Grünlandfläche. Wie auf dem Bild zu erkennen ist, gibt es hier 2 Abschnitte. Die Fläche im Vordergrund wurde vor 3 Jahren dazugekauft und nicht mehr bewirtschaftet, die Fläche im Hintergrund wird bereits seit 25 Jahren extensiv bewirtschaftet, d.h. nur 1 x im Jahr gemäht. Dadurch haben sich wieder seltene Ackerwildkräuter und Insekten ansiedeln können.

Foto: Sigrid Schwarze

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Im Anschluss erreichten wir die Orchideenwiese. Hierbei handelt es sich um eine Wiese mit einem kleinen Hang, dessen Oberfläche eine dünne Lehmschicht aufweist. Durch die Lehmschicht bleibt die

Fotos: Sigrid Schwarze

Feuchtigkeit im Boden und es entsteht eine Feuchtwiese. Über einen kleinen Trampelpfad hatten wir die Möglichkeit die Orchideen aus nächster Nähe anzuschauen. Wir sahen das Breitblättrige Knabenkraut, es ist nur auf ungedüngten Feuchtwiesen anzufinden. Es handelt sich hierbei um eine Orchideenart, die leider überall in Deutschland immer seltener wird.
7Mittlerweile steht sie als gefährdet auf der „Roten Liste“. Sie hat 3 – 8 dunkelt gefleckte Laubblätter und einen dichten Blütenstand, der 7 – 40 meist purpurrote Blüten enthält, allerdings sahen wir auch eine seltener weiß blühende Pflanze. Aufgrund der relativ hohen Ansprüche an den Lebensraum ist das Breitblättrige Knabenkraut ein guter Bioindikator für nicht oder wenig gestörtes Feuchtgrünland. Auch der Ehrenpreis, die Teufelskralle, der Medizinische Baldrian, die Schachbrettblume und verschiedene andere Blumen waren zu sehen.
Auch diese Wiese wird nur 1 x im Jahr gemäht, jedoch erst im Oktober. Das ist sehr wichtig, da durch zu frühes Mähen die Sommerblumen fehlen und die Insekten nicht genug Nahrung finden und verhungern.

 

Foto: Dr. Peter Nabitz

Nach ca. 2 Stunden kamen wir wieder auf dem Hof an. Wir haben viel gesehen und erfahren, dass in der Natur weniger – mehr ist.