Exkursion in die Sieke im Ravensberger Land und Besuch des neuen Böckstiegel-Museums

Am 9. September lud der NABU-Kreisverband ein zu „Natur trifft Kultur“ ein.

Foto: Margret Lohmann

Foto: Margret Lohmann

Wir trafen uns am Parkplatz des Böckstiegel – Museums und gingen dann in die direkt daran anschließende Sieke.

Frau Anne Pagenkemper von der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Gütersloh, die dieses Gebiet betreut, hatte sich bereit erklärt, uns Wissenswertes über die Sieke im Ravensberger Land zu vermitteln. Begleitet wurde sie mit viel Herzblut von Herrn Heinrich Heining, der hier Bewohner und Eigentümer eines landwirtschaftlichen Betriebes ist.

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Foto: Margret Lohmann

Das Ravensberger Land ist eine Kulturlandschaft in Ostwestfalen-Lippe im Nordosten Nordrhein-Westfalens. Es liegt zwischen Teutoburger Wald im Süden,  Wiehengebirge im Norden,  der Landesgrenze zu Niedersachsen im Westen sowie dem großen Weserbogen und der lippischen Kreisgrenze im Osten. Als bedeutende, nahe liegende Stadt ist Bielefeld zu nennen, aber auch Herford, Bad Oeynhausen und Bünde.

Das Landschaftsschutzgebiet „Sieke des Ravensberger Hügellandes“ stellt einen typischen Ausschnitt des Ravensberger Hügellandes dar und umfasst die Siekbereiche der Warmenau, des Marktwiesentales, des Grenzbaches, des Beckendorfer Mühlenbaches, des Schwarzbaches und seiner Zuflüsse, des Mühlenbaches, des Voßsiekbaches, des Klosterbaches, des Violenbaches sowie des Siekstems bei Winkelhütten.

Die Siekbereiche sind als lineare Biotopstrukture von regionaler Bedeutung in das flachwelligen Hügelland zwischen dem Osning und dem östlichen Wiehengebirge eingeschlossen. Charakteristisch sind die ebenen, überwiegend Gründland genutzten Sieksohlen mit lang gestreckten Sickerhorionten im Grenzbereit zwischen der auflagernden Lößlehmdecke und dem anstehenden Lias-Tonstein. Es sind auch vereinzelte Quellen mit stärkerer Schüttung vorhanden. Die kastenförmige Gestalt der Siekquerschnitte mit Gehölz bestandenen Böschungskanten sind als kulturhistorische Landnutzungsform als kulturhistorische Landnutzungsform von besonderem Werk.

Foto: Margret Lohmann

Foto: Margret Lohmann

Das Gründland entlang des Schwarzbaches und der Nebensieken wird vom Hof Heining naturnah bewirtschaftet. Gerade dieser Abschnitt stellt einen typischen Ausschnitt der Ravensberger Sieklandschaft dar. Herr Heinig führte uns auch über seine Wiesen, die normalerweise nicht betreten werden bis zu seinem Hof. Dieser stellt eine Besonderheit dar: Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat dem Hof Heinig im September 2018 den Ehrentitel „Denkmal des Monats“ verliehen. Die Gründung des Hofes geht auf das Jahr 1763 zurück. Die letzte große Umbaumaßnahme des Hofhauses war 1818/1819. Aus dieser Zeit stammt auch der aufwändig gestaltete Südgiebel mit reichen Schnitzereien und Farbgestaltung.

Foto: Margret Lohmann

Herr Heining lebt mehr oder weniger in direkter Nachbarschaft zu dem Böcksiegel-Haus und nunmehr auch dem Böckstiegel-Museum und hat den Maler Peter August Böckstiegel, der  am 7. April 1889 geboren wurde und am 22. März 1951 verstarb, noch persönlich gekannt. Herr Heining führe eine Mappe mit einlaminierten Zeichnungen des Malers mit sich und zeigte den interessierten Exkursionsteilnehmern immer wieder die Orte, untermalt von netten Begebenheiten und Geschichten, an denen die Bilder des Maler entstanden waren.

Foto: Margret Lohmann

Foto: Margret Lohmann

Hin und wieder waren diese Orte, sei es durch das Roden von Bäumen, Umgestalten des Ackers/der Wiesen oder auch Abriss eines Hauses nicht mehr zu erkennen, aber Herr Heining versicherte glaubhaft, dass wir an der richtige Stelle waren. So war es ein sehr unterhaltsamer Rundgang bei schönstem Wetter durch die Landschaft.

Zurück zum Böckstiegelmuseum, das am 30. August feierlich offiziell mit 150 geladenen Gästen nach 2 Jahren Bauzeit – es dauerte ein 4 ½ Monate länger als geplant – eröffnet wurde. Der Öffentlichkeit steht es seit dem 31. August 2018 zur Verfügung. Das Museum wurde mit Sicht auf das Elternhaus Böckstiegels errichtet im totalen Gegensatz der Bauweise zum Elternhaus und bietet nicht nur Raum auf 1.200 qm Fläche für Wechselausstellungen, sondern auch für seinen umfangreichen Nachlass von 1300 eigenen Bildern und Skulpturen sowie eine Kunstsammlung mit Werken von Ernst Barlach, Wilhelm Lehmbruck, Edvard Munch und Käthe Kollwitz.

Foto:Wilhelm Gröver

Foto:Wilhelm Gröver

Uns erwartete Herr Klaus, um durch das Museum zu führen und Erklärungen zu den  in 40 Jahren Schaffenszeit gefertigten Ölbildern, Aquarellen und Büsten zu vermitteln. Durch die Vorinformationen hatte man einen ganz anderen Eindruck des Ganzen und konnte sich in viele Bilder besser hineindenken. Mit dem Museum, so Herr Klaus,  soll die Erinnerung des Malers und Bildhauers gewahrt werden, der in der Weimarer Republik mit zu den wichtigen Vertretern des späten Expressionismus zählte.

Foto:Wilhelm Gröver

Foto:Wilhelm Gröver

Viele Werke des Malers deuten darauf, dass sein großes Vorbild der holländische Maler Vincent van Gogh war.

otos: Claudia Schindler

otos: Claudia Schindler

Böckstiegel studierte in Bielefeld und Dresden, wurde trotz der ärmlichen Verhältnisse seines Elternhauses immer wieder von der Familie unterstützt. Als Soldat im 1. Weltkrieg eingezogen, kam bis zur Ukraine und lernte auch Rumänien kennen und überlebte den Krieg unversehrt.  Er lebte auch nach dem Krieg in Dresden. Dort gehörte er der „Dresdner Session Gruppe 1919“ um Otto Dix und Conrad Felixmüller an, dessen Schwester Hanna Müller seine spätere Ehefrau wurde, mit der er die Kinder Sonja und Vincent hatte. Leider waren seine Kinder ohne Nachkommen. Heute gibt es nur noch einen Zweig der Familie Böckstiegel, der in die Schweiz auswanderte. In der Nazizeit wurden seine Werke als „entartete Kunst“ eingestuft, teilweise zerstört oder ins Ausland verkauft. Im Februar 1945 wurde sein Atelier in Dresden bombardiert, viele Exponate zerstört und Böckstiegel entkam nur knapp dem Bombardement. Er kehrte mit seiner Familie zurück ins Elternhaus in Arrode-Werther, kümmerte sich um den Ausbau des Hauses, um sich ein Atelier zu schaffen und lebte auch mit seiner Familie in dem kleinen Anbau. Seine Bilder zeigen ein großes Gefühl für Heimat, Familie und Geborgenheit und sind häufig mit Feldfrüchten wie Kartoffeln oder Obst und Blumen der Region in satten Farben gemalt. 1947 wurde Böckstiegel Erster Vorsitzender der „Westfälischen Sezession 1945“. Sein letztes Bild, Anfang 1950 gemalt, ein Winterbild mit dunklen Baumstämmen, den Boden mit einer leichten Schneeschicht bedeckt, mit Sicht auf sein Elternhaus, nannte Peter August Böckstiegel Heimkehr.

Foto: Margret Lohmann

Foto: Margret Lohmann

Da das Museum Wechselausstellungen anbietet, kann man immer wieder einen neuen, lohnenden Blick auf die Werke von Peter August Böckstiegel werfen.

Zum Abschluss konnte jeder der wollte im museumseigenen Café noch Kuchen und Kaffee genießen.