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Seltener Wasserdrache in Gütersloh – Schutzprojekt für den Kammmolch

Das neue Artenschutzprojekt „Seltener Wasserdrache in Gütersloh – Schutzprojekt für den Kammmolch“ hat die Biologische Station im Frühjahr 2017 ins Leben gerufen.

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Im Altkreis Wiedenbrück wird das Projekt gefördert durch die Stiftung der Kreissparkasse Wiedenbrück.
Im Norden des Kreises Gütersloh handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt der Biologischen Station mit dem
nabu
Naturschutzbund
Kreisverband Gütersloh e. V. 

 

 


 

Der Kammmolch ist unter den Wassermolchen ein wahrer Riese. Besonders beeindruckend ist die Hochzeitstracht der Männchen.

Der Kammmolch ist unter den Wassermolchen ein wahrer Riese. Besonders beeindruckend ist die Hochzeitstracht der Männchen.

Der Kammmolch (Triturus cristatus) ist die größte heimische Molchart. Die Männchen haben eine Körperlänge bis zu 15 cm, die Weibchen sogar bis zu 18 cm. An Land sind die scheuen Tiere meist nachtaktiv, so dass die großen Molche weniger bekannt sind als ihre Salamanderverwandten, die Feuersalamander.
Doch weniger beeindruckend ist ihr Äußeres deshalb nicht: Die Männchen legen sich zur Fortpflanzungszeit einen hohen gezackten Rückenkamm, an den Flanken silbrige Punkte und am Schwanz breite silbrige Streifen zu. Aufgrund dieser auffälligen Wassertracht wird er gemeinhin auch als „Wasserdrachen“ bezeichnet.

 

Lebensraum

Wichtig ist das Fehlen von räuberisch lebenden Fischen, die Amphibienlarven fressen. Das Südufer sollte möglichst niedrige Vegetation aufweisen, damit die Sonne das Wasser für den Kammmolch ausreichend erwärmt.

Wichtig ist das Fehlen von räuberisch lebenden Fischen, die Amphibienlarven fressen. Das Südufer sollte möglichst niedrige Vegetation aufweisen, damit die Sonne das Wasser für den Kammmolch ausreichend erwärmt.

Der Kammmolch ist nicht eng an einen speziellen Biotoptyp angepasst und in diversen Gewässern der verschiedensten Naturräume zu finden. Er bewohnt die offene Landschaft ebenso, wie größere geschlossene Waldgebiete.
Einen Großteil des Jahres verbringt der Kammmolch im Wasser – ganz im Gegensatz zu anderen Molcharten, wie der Teich- oder Bergmolch. In milden Wintern wandert der Kammmolch bereits im Februar zu seinem Laichgewässer und verlässt dieses erst ab August (bis spätestens Oktober). Er benötigt größere, tiefere Gewässer mit einem strukturiertem Grund und einer reich verkrauteten Unterwasser- und Ufervergetation.

 

Als Winterquartier sucht der Wasserdrache verschiedenartige Verstecke auf, wie Holz- oder Steinhaufen, Wurzelbereiche von Bäumen, Kleinsäugerbaue, Komposthaufen, Teichdämme oder auch Keller.molch3
Optimalerweise befinden sich diese in unmittelbarer Nähe des Laichgewässers in Laub- und Mischwäldern, Gebüschen, Hecken und Gärten. Bis zu  1000 Meter werden auf der Wanderung zurückgelegt. Manche Tiere überwintern auch im Bodenschlamm der Teiche.

 

 

Nahrung

Bergmolch, Bild: Burkhard Thiesmeier

Bergmolch, Bild: Burkhard Thiesmeier

Erwachsene Kammmolche ernähren sich räuberisch. Regenwürmer, Nacktschnecken, Froschlaich, Kaulquappen, Egel, Insekten und deren Larven werden in einem Stück heruntergeschlungen.

Zum Nahrungsspektrum des Kammmolches gehören auch kleinere Schwanzlurche, wie der Teichmolch oder der Bergmolch.

Die Molchlarven sind ebenfalls Räuber und fressen planktische Kleinkrebse (u.a. Wasserflöhe) und Insektenlarven.

Teichmolch, Bild: Burkhard Thiesmeier

Teichmolch, Bild: Burkhard Thiesmeier

Unterscheidungsmerkmale von Kammmolch, Bergmolch und Teichmolch! (-> Link zu neuer Seite mit Unterscheidungsmerkmalen)

 

Fortpflanzung

Die Larven des Kammmolchs sind bei ihrer Umwandlung von der kiemenatmenden Larve zum lungenatmenden Molch 10,5 bis 11,5 cm lang. Bild: Conny Oberwelland (Biologische Station GT / BI e.V.)

Die Larven des Kammmolchs sind bei ihrer Umwandlung von der kiemenatmenden Larve zum lungenatmenden Molch 10,5 bis 11,5 cm lang.
Bild: Conny Oberwelland (Biologische Station GT / BI e.V.)

Die Balz und Paarung des kleinen Wasserdrachens finden von Mitte April bis Ende Mai statt. Das Weibchen legt daraufhin 200 bis 400 Eier an den Unterwasserpflanzen ab. Diese lassen sich aufgrund ihrer gelblichen Färbung und ihres großen Durchmessers gut von anderen Molcheiern unterscheiden.
Die Entwicklungsdauer im Ei hängt stark von der Wassertemperatur ab – bei 10 °C sind es 30 Tage, während es bei 25 °C nur 5 Tage sein können. Die Entwicklung der Larven dauert 91 Tage, wobei die Molche dabei  54 verschiedene Stadien durchlaufen.
Ab August verlassen die jungen Molche das Gewässer, um ihre Landlebensräume über Winter aufzusuchen.

 

 

 

Gefährdung

Eine Vielzahl an Amphibien – so auch der Kammmolch – werden auf ihrer Wanderung vom Winterquartier zum Laichgewässer Opfer des Straßenverkehrs. Zudem führt die Trockenlegung von Kleingewässern zum Verlust von geeigneten Laichgewässern. Auch die zunehmende Intensivierung der Landnutzung mit dem höheren Eintrag von Düngemitteln und Schadstoffen macht dem Kammmolch zu schaffen. Die Umwandlung von Grünland in Ackerflächen sowie die allgemeine Intensivierung der Grünlandnutzung im Umfeld der Laichgewässer stellt eine starke Habitatverschlechterung dar.
Der kleine Wasserdrache ist nach der FFH-Richtlinie (Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie) im Anhang II und IV geschützt. Im Bundesnaturschutzgesetzt wird der Kammmolch als „streng geschützt“ geführt. Der Kammmolch ist in Nordrhein-Westfalen die seltenste heimische Molchart und gilt hier als „gefährdet“.

 

Verbreitung

Bild: Conny Oberwelland (Biologische Station GT / BI e.V.)

Bild: Conny Oberwelland (Biologische Station GT / BI e.V.)

Der Verbreitungsschwerpunkt liegt im Tiefland, im Bergland in Lagen über 400  Metern kommt der Kammmolch nicht vor. Im Kreis Gütersloh, insbesondere im Altkreis Wiedenbrück sind ein paar wenige Vorkommen des seltenen Kammmolches bekannt.
Für den Fortbestand des Kammmolches ist die gezielte Umsetzung von Schutzmaßnahmen von großer Bedeutung.

 

 

 

Das Schutzprojekt für den Kammmolch

Mit dem neuen Artenschutzprojekt für den Kammmolch führt die Biologische Station praktische Maßnahmen für die Verbesserung des Lebensraumes der Amphibien durch. Als Grundlage für die gezielte Umsetzung der Maßnahmen kontrollieren wir Gewässer auf das Vorkommen des kleinen Wasserdrachens.

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Der Wasserdrache in Gefahr

Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass der Kammmolch, unser größter heimischer Wassermolch einen hohen Rückgang verzeichnet. Der Kammmolch, ein Schwanzlurch, genannt auch Wasserdrache ob seines starken Aussehens, zählt zu den langlebigsten Amphibien. Er wird etwa bis 18 cm lang, ist   farbenprächtig mit gelb bis orangener  Unterseite und  schwarzen Flecken, an seinen Flanken teilweise weiß punktiert. Er kann bis zu 16 Jahre alt werden.  In der Paarungszeit schwillt  dem Männchen ein prächtiger Kamm an und tanzt vor dem Weibchen ungewöhnliche Figuren,°° ein Meister im Imponiergehabe°°.  Seine Lebensräume sind unscheinbare kleine Teiche oder Tümpel mit reicher Uferbepflanzung und Röhricht, leicht besonnt, möglichst in Nähe von Feuchtgebieten wie auch naturnahen  Mischwaldgebieten, möglichst fischfrei.

Der Artenschwund ist gewaltig, so dass er hohe Schutz- Priorität nach FFH Richtlinie genießt und auf der Roten Liste steht in NRW. Dieses Alarmzeichen hat den NABU Kreisverband Gütersloh angeregt, in unserer Region  nach etwaigen Vorkommen zu forschen und günstige  Lebensräume zu erkunden. Die Untersuchung erfolgt mit  Sondergenehmigung. Da beispielsweise im Haller Ortsteil Eggeberg seit vielen Jahren  Amphibien gesichtet und  Schutzanlagen betreut wurden, war hier ein Ansatz gegeben.  Wir  richteten dazu  unser Augenmerk auf die sehr naturnah großflächig angelegte Golfanlage des Golfclub Teutoburger Wald mit den vielen kleinen Teichen, die unser Interesse weckten. Dort waren Tümpel mit reichem Wasserpflanzenbewuchs, umsäumt von Bäumen  und Sträuchern, ein typischer Lebensraum  für Kammmolche (Triturus cristatus).
Mit freundlicher Unterstützung des Golfclubs wurden gemeinsam vom dortigen  Greenkeeper  des Clubs  Henning Weßling und NABU Mitglied Klaus Kuhlmann  in den vergangenen Wochen Beobachtungen und Untersuchungen durchgeführt. Neben einigen  Amphibienarten  wurden  erfreulicherweise  auch  die gesuchten  Kammmolche  entdeckt. In 2 der Teiche war eine größere Zahl dieser Schwanzlurche festzustellen neben den dort vorkommenden Bergmolchen.

Diese Anlagen werden naturbelassen bleiben. Sie zeigen im Ergebnis auf, dass eine naturgerechte Gestaltung einer  Golfanlage wie in Eggeberg , Sport und  Naturschutz  miteinander vereinbaren können. Das sollte Ziel sein und macht Mut, diese Standorte zu pflegen  und zu schützen, so die Meinung vom Greenkeeper Henning Weßling und NABU Mitglied Klaus Kuhlmann.

Für weitere Hinweise auf Vorkommen ist der NABU Kreis Gütersloh sehr dankbar.

Kontaktadresse: Klaus Kuhlmann (Telefon 05201/ 70544).
k.ku

NABU besichtigt Windrad

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Am Sonntag, den 8.10.2017 fand am Windrad WA 5 im Bereich Marburg eine Führung durch die Stadtwerke Gütersloh und Herrn Schulze von der Unteren Naturschutzbehörde Kreis Gütersloh statt.

Zunächst erläuterte Herr Lopez-Sommer von den Stadtwerken Gütersloh die technischen Details dieser Anlage, eine inkl. Rotor 210 m hohe Enercon Anlage mit einer Leistung von 3 Megawatt. Die Anlage wurde 2016 errichtet und in Betrieb genommen und besteht zu 2 Dritteln aus Betonelementen, die vor Ort zu Kreisen zusammengesetzt wurden, das obere Drittel besteht aus Stahlelementen. Insgesamt sind sie durch Stahlseile miteinander verbunden, so dass sie ähnlich wie bei einer Stahlbetonbrücke auf Zug stabilisiert werden.

Der Rotorkopf ist durch Motoren drehbar, so dass die Flügel optimal in den Wind gedreht werden können. Jedes Rotorblatt kann einzeln in sich gedreht werden, so dass durch den Winkel zum Wind die Drehgeschwindigkeit den Verhältnissen angepasst werden kann. Durch eine 90-Grad-Stellung kann z.B. die Rotation gestoppt werden, was bei Starkwind oder aus Artenschutzgründen, oder wegen des Schattenwurfes geschehen muss.

Die Geräuschentwicklung des Windrades rührt überwiegend aus der hohen Geschwindigkeit der Flügelspitzen im Betrieb her. Hier wurden an dieser Anlage bereits verschiedene Techniken angewendet, um diese Geräusche zu minimieren. Die abgewinkelten Flügelspitzen z.B. oder kammartige Bereiche an der Flügelinnenseite, die der Federstruktur von Eulen abgesehen sind.

Herr Schulze von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Gütersloh erläuterte anschließend das allgemeine Genehmigungsverfahren für Windenergieanlagen im Kreis Gütersloh.

Zunächst stellte er dar, dass für das betreffende Gebiet ein Flächennutzungsplan vorliegen muss, bei dessen Aufstellung genügend Vorranggebiete für Windenergieanlagen vorgesehen sein müssen. Nur in diesen Vorranggebieten kann dann ein Bauantrag gestellt werden. Diese Vorranggebiete wurden anhand verschiedener Kriterien festgelegt. Tabu sind z.B. Siedlungen, Naturschutzgebiete, Wasserschutzgebiete o.ä. als sogenannte “harte Kriterien”. Außerdem werden Abstände zu bestimmten Gebieten festgelegt, z.B. Mindestabstände zu Gebäuden, Waldbereichen o.ä.. Diese weichen Kriterien sind oftmals Grund für Klagen, da sie individuell gehandhabt werden.

Bei der Baugenehmigung werden dann Maßnahmen festgelegt, die zum einen den Eingriff des direkten Baus der Anlage ausgleichen sollen, wobei hier oft auf das Ersatzgeld ausgewichen wird und Naturschutzmaßnahmen in anderen Bereichen finanziert werden. Zum Anderen werden Artenschutzmaßnahmen festgelegt, z.B. ein Monitoring zum Fledermausflug im Bereich der Anlage, dass zu Ausschaltzeiten führen kann. Außerdem wird z.B. festgelegt, dass die Anlage zu Erntezeiten stehen muss, um Greifvögel, die die abgeernteten Felder bejagen, zu schonen.

Die Stadtwerke Gütersloh betreiben diese Windenergieanlagen, um ihre selbstgesteckten Ziele für die Verwendung regenerativer Energien aus Klimaschutzgründen auch wirklich umzusetzen. Dabei soll auch das Bewusstsein geschaffen werden, dass vor Ort produzierter Strom auch vor Ort in Gütersloh verbraucht wird.

Der NABU-Landesverband steht für den Ausbau von regenerativen Energiequellen, also insbesondere Windrädern, um klimaschädliche Kohlekraftwerke abschalten zu können.

Exkursion Artenschutzflächen Hof Brechmann am Sonntag, 2. Juli 2017

Foto: Margret Lohmann

Am Sonntag, den 02. Juli trafen wir uns auf dem Hof der Familie Brechmann bei leider nicht sehr einladendem Wetter.

Herr Brechmann erzählte ein wenig von der Geschichte des Hofes, der einer der ältesten der Gemeinde Stukenbrock ist. Bereits im Jahre 1989 stellte Gerhard Brechmann auf ökologische Landwirtschaft um, was damals noch für viele ein utopisches Unterfangen war. Seit langem steht Herr Brechmann für den Artenschutz alter Getreidesorten und Ackerkräuter ein.

Foto: Margret Lohmann

Foto: Margret Lohmann

 

Da keine Hofnachfolge angetreten werden konnte, überlegte man sich, wie ein langfristiger Erhalt des Betriebes zu erreichen sei.  Nach vielen Überlegungen, langem Hin- und Her  und sehr vielen Anträgen; Anhörungen usw. wurde der Hof im Dezember 2010 in eine Stiftung umgewandelt. Seitdem widmet sich Gerhard Brechmann noch intensiver um „seine Pflanzen“ und er hat viele neue Erkenntnisse über Naturschutz und Arten dazu gewonnen. Da Herr Brechmann die Altersgrenze erreicht hatte, wurde ein Bewirtschafter eingestellt, der sich mit viel Liebe ebenfalls um die Belange der Landwirtschaft kümmert.

Weiter gingen wir über einen Waldweg, vorbei an dem idyllisch gelegenen Hofteich, der früher die Wasserversorgung des Hofes sicherstellte.

Hier nistet seit über 40 Jahren bereits der Eisvogel. Gerhard Brechmann berichtete, dass vor ein paar Jahren die Altvögel ums Leben gekommen waren. Nachdem er eine Expertin in Soest angerufen hatte und die ihm riet, die Brut in einen Karton zu packen und über ein hinein geschnittenes Loch die Kleinen zu füttern, fand Gerhard Brechmann diese Lösung nicht so ideal und fütterte die kleinen Vögel direkt in der Nisthöhle mittels eines langen Stabes, an dem er kleine (tote) Fischchen heftete. Sehr artig, nach dem so genannten „Eisvogelkarussell“ habe dann die Fütterung der Reihe nach funktioniert. Wenn die ein Fisch angenommen war, stellte sich dieser Vogel hinten wieder an! Wenn alle kleinen Eisvögel gesättigt waren, nahmen sie keine Nahrung mehr an. Zu früh durfte man sich auch nicht auf dem Weg machen, dann schliefen die Kleinen noch und waren somit nicht an Futter interessiert. Also nicht vor 8.00 h morgens!! Eine Fütterung fand erst 2 x und später 3 x am Tag statt und war nach Meinung von Gerhard Brechmann durchführbar. Lt. Gerhard Brechmann müssen Eisvögel das Fischen nicht erlernen, es ist genetisch festgelegt. Die jungen Eisvögel reagieren auf Bewegung unter Wasser. Auch Flugübungen sind vor dem ausfliegen in der engen Höhle nicht möglich. Sie verlassen diese und können fliegen. Von 6 Vögeln kamen 4 durch. Ein guter Schnitt!

Links ging es weiter durch den Wald, wo die Bruthöhle des Schwarzspechtes zu sehen war.

Foto: Margret Lohmann

Foto: Margret Lohmann

 

Dann erreichen wir eine Waldwiese, wo Grillen zu hören waren. Diese wird schon lange extensiv genutzt. In dieser Waldwiese sahen wir den kleinen Klappertopf und die Heidenelke.

Foto: Margret Lohmann

Foto: Margret Lohmann

 

Weiter ging es zu einem Acker, auf dem das kahle Ferkelkraut (rote Liste NRW: 1, vom Aussterben bedroht), derzeit einziger bekannter Standort in NRW, den roten Zahntrost, den kleinen Ackerfrauenmantel, das kleine Filzkraut, Samenkapseln des Sandmohn und (leider nicht mehr blühend)

Foto: Margret Lohmann

Foto: Margret Lohmann

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Foto: Ralf Külker

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

die Ackerfeuerlilien sowie  Kornblumen und Hundskamillen zu finden waren. Auf dem Acker wird Roggen angebaut. Das Getreide nimmt eine Firma ab, die Brot aus Korn aus ökologischem Anbau herstellt.

Eine weitere Feuchtwiese konnten wir aus Zeitgründen nicht mehr erreichen. Im Juli ist diese lt. Gerhard Brechmann auch nicht mehr sehr interessant, da die Pflanzen abgeblüht sind. Es wachsen dort Orchideen, das Breitblättrige Knabenkraut und das großblättrige Zweiblatt. Es wurde hier auch der Gemeine Teufelsabbiss (Succisa pratensis) gefunden. Das war die Blume des Jahres 2015, die seinerzeit von der Loki-Schmidt-Stiftung benannt wurde. Inzwischen hat sich diese Pflanze zu einer stattlichen Population vermehrt. Die Wiese wird erst ab Oktober gemäht, damit Pflanzen sich entwickeln bzw. auch aussamen können.

Dann gingen, wir wieder vorbei an dem idyllischen Teich, zurück zum Hof. Herr Brechmann lud uns ein, beim nächsten Mal im Mai zu einer Exkursion zu kommen, da dann noch viel mehr Pflanzen in voller Blüte anzutreffen seien.

Wir danken Herrn Brechmann für die interessanten Berichte und für die erneute Einladung!

 

Infos über Ackerkräuter:

http://www.schutzaecker.de/?artenliste

Auf Facebook kann man den Hof ebenfalls finden unter „Stiftung Hof Brechmann“.

Fahrrad-Exkursion am 13.06.2017 zu den Störchen nach Rietberg

Foto: Ralf Külker

Die Exkursion führte uns in die Rietberger Emsniederung.

Der Biologischen Station Gütersloh-Bielefeld obliegt die Betreuung dieser Flächen.

Das NSG hat eine Größe von insgesamt 445 ha und wurde am 08.07.2013 unter Schutz gestellt. Es liegt größtenteils auf Rietberger Stadtgebiet und erstreckt sich entlang der Ems von den Rietberger Fischteichen bis in den Kreis Paderborn, Stadt Delbrück, hinein. Die Grünflächen des Schutzgebietes werden weitestgehend im Rahmen des Vertragsnaturschutzes extensiv bewirtschaftet.

Ca. 450 ha Feuchtwiesen wurde bereits 1989 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Im Jahre 2013 wurde jedoch eine neue Verordnung erarbeitet. Aufgrund der großen Bedeutung insbesondere als Brut- und Rastgebiet für Wiesenvögel wurde das NSG „Rietberger Emsniederung“ zusammen mit den „Rietberger Fischteichen“ und dem „Steinhorster Becken“ als EU-Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Das gesamte Vogelschutzgebiet „Rietberger Emsniederung“ und „Steinhorster Becken“ hat eine Größe von 929 ha.

Foto: Margret Lohmann

Foto: Margret Lohmann

Wir trafen uns auf dem Parkplatz des Bauhofes Rietberg, um einen kleinen Teil dieses Gebietes zu erkunden. Bernhard Walter von der Biostation betreut dieses Gebiet beruflich und leitete die Exkursion. Es wurde ein transportables Teleskop; gut gesichert auf ein Fahrrad geladen, um unterwegs die Störche und auch anderen Vögel gut beobachten zu können.

Foto: Margret Lohmann

Foto: Margret Lohmann

Unser Weg führte zunächst auf zum Aussichtsturm im LGS-Gelände. Von hier hatte man einen weit reichenden Blick über die Gegend und auf in der Nähe errichtete Storchennester. Diese waren im Jahre 2012 als Projekt mit dem Umweltamt des Kreises Gütersloh und der Biostation errichtet worden.

Foto: Ralf Külker

Foto: Ralf Külker

Obwohl man sich nicht sicher war, ob diese Nester überhaupt angenommen wurden, kamen die 1. Störche bereits im darauf folgenden Jahr und seitdem gibt es immer wieder erfreuliche Bruterfolge. Die Jungstörche werden beringt, kurz bevor sie mit ca. 8 Wochen flügge werden. Das Gelände eignet sich hervorragend für die Störche zur Futtersuche, finden sie hier doch Mäuse, Frösche, vielleicht sogar einen Junghasen etc.. Der Futterbedarf für die heranwachsenden Jungen ist enorm, deshalb wäre es fatal, Nistmöglichkeiten zu errichten in Gebieten, wo die entsprechenden Feuchtwiesen und somit das Futteraufkommen nicht vorhanden sind.

Foto: Ralf Külker

Foto: Ralf Külker

Die Jungstörche könnten nicht versorgt werden. Störche werfen, wenn Sie sehen, dass das Futter für die gesamte Brut nicht ausreicht, den einen oder anderen zu kleinen Jungstorch aus dem Nest, wahrscheinlich, um wenigstens den Rest durchbringen zu können.

Weiterhin waren Nilgänse zu sehen, die Ihre Jungen führten, ein Kiebitzpaar mit seinen Jungen und auch die Wasserbüffel, die in einem umzäunten Gebiet grasen und so ihren Teil zum Naturschutz beitragen.

Weiter ging es durch ein normalerweise verschlossenes Tor in das Vogelschutzgebiet hinein. Über Feldwege ging es Richtung Markenstraße. Bernhard Walter zeigte uns den Unterschied zu einer extensiv und einer intensiv bewirtschafteten Grünfläche.

 

Grünfläche, intensiv bewirtschaftet, Foto: Margret Lohmann

Grünfläche, intensiv bewirtschaftet
Foto: Margret Lohmann

Rietberger Emsniederung Foto: Biostation

Rietberger Emsniederung
Foto: Biostation

Auf der einen waren Wiesenblumen und verschiedene Gräser zu entdecken, auf der anderen leider nur eine intensiv wachsende Grassorte, die viel Ertrag für Milchkühe verspricht. Rechts in der Wiese waren wieder 2 kleine Kiebitze zu sehen, die von dem Elternpaar genau bewacht wurden und bei deren Warnrufen sofort im längeren Gras verschwanden!

Foto: Margret Lohmann

Foto: Margret Lohmann

Ferner kamen wir an einem weiteren Storchennest vorbei, in dem sich 4 schon recht große Jungstörche befanden.   Bernhard Walter meinte, dass diese bereits beringt wären und es mit Sicherheit zu erwachsenen Störchen schaffen würden. Der Altstorch brachte auch in diesem Moment einen großen Frosch herbei, so dass wir die Fütterung genau beobachten konnten.

 

 

 

 

 

 

 

Wir fuhren noch ein kurzes Stück um dann Halt zu machen, um Uferschnepfen und den Großen Brachvogel mit ihren Jungen nicht zu stören.

Foto: Ralf Külker

Foto: Ralf Külker

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vogelschutzgebiet, Foto: Margret Lohmann

Vogelschutzgebiet, Foto: Margret Lohmann

Auch diese Elternvögel bewachten Ihre Jungen und warnten sofort bei Gefahr. Eine Reiterin mit einem nicht angeleinten Hund kam des Weges und als sie unsere Gruppe sah, nahm sie wenigstens den Hund an die Leine. Dieses Gebiet ist verboten für Publikumsverkehr, insbesondere jedoch für freilaufende Hunde. Bernhard Walter wies die Reiterin freundlich darauf hin, die, wie sie sagte sich keine Gedanken darüber gemacht hatte. Ja – leider!!! Ein Bussard zog ebenfalls plötzlich seine Runden über das Gebiet, um sich dann in einer Baumgruppe unsichtbar zu machen. Ein Altvogel versuchte, ihn durch Flugmanöver abzulenken und zu vertreiben. Die Uferschnepfe setzte sofort Warnrufe ab, um ihre Jungen zu schützen.

In dem Gebiet gibt es auch noch die Nachtigall. Leider war sie an diesem Abend nicht zu hören.

Dann ging es wieder zurück. Diese naturkundliche Wanderung war für alle ein Erlebnis und jeder konnte tiefe Eindrücke mit nach Hause nehmen!

Wir danken Bernhard Walter für die ausführlichen Informationen!

Große Wiese

Unterwegs

Am 1. Juni 2017 um 18:00 Uhr trafen sich ca. 38 Naturfreunde an der ehemaligen Gaststätte “Siekhänschen” an der Paderborner Straße in Gütersloh-Friedrichsdorf, um von hier aus das Naturschutzgebiet “Große Wiese” zu erkunden.

Unterwegs

Unter der Leitung von Bernhard Walter und Herrn Glattfeld von der Biologischen Station Gütersloh/Bielefeld wurden sowohl Vögel beobachtet (Weißstörche, Wanderfalke, Turmfalke, Nilgans) als auch die Vegetation des Naturschutzgebietes erläutert. Hier konnte Herr Glattfeld darstellen, dass die intensive Landwirtschaft sich negativ auf den Artenreichtum der vorhandenen Grünlandflächen auswirkt. Die Biostation versucht hier entgegenzuwirken, indem die Randstreifen entlang der Wege und (Entwässerungs-)Gräben mittlerweile so bewirtschaftet werden, dass diese Bereiche ausgehagert werden und damit wieder Arten zeigen, die auf den intensiv bewirtschafteten Flächen nicht mehr vorkommen.Wasserfeder

Auch eine botanische Besonderheit konnte Herr Glattfeld zeigen: an einem auf den ersten Blick stark nährstoffhaltigen Entwässerungsgraben, wurde die “Wasserfeder” entdeckt, die eigentlich nährstoffarme Gewässer bevorzugt.

 

 

Storch mit NachwuchsHerr Walter hatte zu Beginn die Erfolgsgeschichte der Weißstörche berichtet. Gegenüber einem Bestand von  Brutpaaren in Nordrhein-Westfalen 1920, waren die Weißstörche mit 3 Brutpaaren in Petershagen 1980 in Nordrheinwestfalen nahezu ausgestorben. Umfangreiche Renaturierungsmaßnahmen, bei denen das Futterangebot für Störche aufgebessert werden konnte, ermöglichte es, dass Störche wieder eine Lebensgrundlage finden konnten, so dass heute in NRW über 200 Brutpaare gezählt werden können. Dies ist nur möglich, weil die Nahrungsgrundlage wieder hergestellt werden konnte.

Geologische Exkursion in die Geschichte des Hengebergs mit seinen Moosen und Insekten

Margret Lohmann

Zu einer Exkursion am Hengeberg in Werther lud der NABU Gütersloh im Mai gemeinsam mit Naturkundler Jürgen Wächter. Unter dem Titel „Geologische Geschichte des Hengebergs bei Werther und die Bedeutung als Lebensraum für Insekten“ erkundeten die Tour-Teilnehmer am 13. Mai Moose und Insekten.

Um dem Reich von Moosen, Wildbienen, Libellen, Heuschrecken und Co. einen Besuch abzustatten ist oftmals gar kein weiter Weg von Nöten. Der NABU Kreisverband Gütersloh führte natur- und insektenbegeisterte Besucher auf einer Mai-Exkursion nach Werther, auf die höchste Erhebung im Kreis Gütersloh: zum Hengeberg. Nach einem Naturschauspiel aus dem Himmel in Form eines wolkenbruchartigen Schauers mit kurzem, aber heftigem Gewitter, begrüßte Margret Lohmann, Vorstandsmitglied des NABU Kreisverbandes Gütersloh, die Exkursions-Teilnehmer und übergab das Wort an den Naturkundler und Exkursionsleiter Jürgen Wächter.

Margret Lohmann

Foto: Margret Lohmann

 

Nach wenigen 100 Metern bot sich der Gruppe bereits Gelegenheit für einen ersten Halt: An den so genannten „Werther Schanzen“, die 1673 im Krieg Frankreich (Sonnenkönig Ludwig der XIV) gegen den Deutschen Kaiser, wobei Münster mit dem „Kanonenbischof“ Bernhard von Galen auf Seiten der Franzosen kämpfte, 17.03.1673 Eroberung der Ravensburg)  angelegt wurden. Noch heute konnte man Wälle erkennen, die zum Schutz der Werther Bevölkerung angelegt wurden. Damals waren die Hügel nicht bewaldet, so dass man von allen Seiten Blick auf einen etwaigen Feind hatte. Später wurden die Schanzen genutzt von der Landwehr, den Schützen der Bauern.

So sagte Wolf Ernst Alemann um 1700 einst: „Wie die Münsterschen Halle ausplünderten, sind die Wertherschen aus dieser Schanze gegangen und haben die Plünderer mit Schießen aus Halle geschrecket und gejaget“.

Die Landschaft wurde danach gerecht zwischen den Bauern aufgeteilt – vom Fuß des Berges bis oben hinauf in Parzellen. Aus diesem Grunde waren es unterschiedliche Bepflanzungen, je nach individueller Nutzung wie Vieheintrieb, Bauholzgewinnung, Humusentnahme, Köhlerei oder Feuerholznutzung. Dadurch wurde der Wald großflächig nach und nach völlig vernichtet, kahle Hänge mit Trockenrasen und Heiden dominierten.

Mit dem Ziel einer geordneten Forstwirtschaft führte man damals die 1. Agrar-Reform ein – hauptsächlich mit Fichtenanpflanzungen. Forstwirtschaft ab Beginn des 19. Jahrhunderts förderte die Nachhaltigkeit.

Nach dem Halt an den „Werther Schanzen“  ging es weiter in den Wald. Jürgen Wächter zeigte  die Vielfalt der Moose, die wahrlich nicht alle klein sind und gleich aussehen. So gibt es Lebermoose, Laubmoose oder Hornmoose.

Laubmoos

Foto: Jürgen Wächter – Laubmoos

Hornmoos

Foto: Jürgen Wächter – Hornmoos

 

Etwa 1.000 Moos-Arten gibt es aktuell in Deutschland, 20.000 weltweit, sowohl an Bäumen wachsend (diese werden nicht geschädigt) als auch im Rasen. Auch Torf besteht aus Moos und wächst im Laufe eines Jahres nur um 1 mm!

Infotafel

Infotafel – Foto: Margret Lohmann

 

Die Moose waren früher vornehmlich bekannt unter den Namen Zaubermoos, Widertonmoos oder Lebermoos. Sie wurden damals benutzt je nach Art als Heilpflanze, Babywindeln, Bürsten, Schwämme, zum Ausstopfen von Ritzen in Blockhäusern, in Betten als Schlafmoos und sogar als Toilettenpapier.

Moos hat eine ganz spezielle Funktion im Ökosystem: Es dient als Keimbett, als Lebensraum für viele Tiere, zum Nestbau der Vögel, zur Bodenbildung, zum Erosionsschutz und als Wasserspeicher.

Infotafel

Infotafel – Foto: Margret Lohmann

 

Am Beispiel von Torfmoos führte Jürgen Wächter die Funktion von Moos als Wasserspeicher vor, in dem er eine große Menge Wasser aus dem Torfmoos herausdrückte.

Nächster Programmpunkt der Exkursion war der Osning-Sandstein, der ca. vor ca. 136 – 132 Mio. Jahren entstand. Das Meer ragte damals bis weit in das Land hinein. Das Gebiet des späteren Teutoburger Waldes lag in warmem Flachwasser nahe der Küste einer großen Insel, der Rheinischen Masse. Sie bildet heute das Sauerland, die Eifel und die Ardennen. In den flachen Küstengewässern dieser Insel wurden große Mengen Sand abgelagert, die heute zu Sandsteinen verfestigt sind – dem Osning-Sandstein. Er besteht zu 95 % aus Milchquarzen der Rheinischen Masse.

Kleine Bruchstücke des Osning-Sandsteins

Kleine Bruchstücke des Osning-Sandsteins – Foto Margret Lohmann

 

Vor etwas 66 Mio. Jahren entstand der Teutoburger Wald, aber auch z. B. die Alpen, die aus einer Auffaltung als Ergebnis einer Kollision mit der Afrikanischen Platte hervortraten.

Bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde der Osning-Sandstein in diversen Steinbrüchen für sakrale und profane Bauten gewonnen, z.B. für Erker, Fundamente und Bereiche der Portale.

Jürgen Wächter zeigte den Exkursionsteilnehmern zudem den stillgelegten Steinbruch Gödeke. Hier fand er einst mit Kindern während einer Exkursion ein ganz besonderes Moos, welches leuchtete. Es handelte sich um ein Leuchtmoos: das seltene Schistostega pennata. Das gold-glänzende Aussehen des Mooses ist auf die klaren, sphärischen Zellen zurückzuführen, die auch in leisesten, lichtähnlichen Quellen mit ihren Linsen Licht sammeln und mit grünlichem Glühen reflektieren können. Somit ist das Überleben dieser Art in dunkelster Umgebung gewährleistet.

Infotafel

Infotafel – Foto: Margret Lohmann

 

Ralf Külker, ebenfalls Vorstandsmitglied des NABU-Kreisverbandes Gütersloh, führte den Teilnehmern das Reich der Insekten nahe  – mit sehr guter Ausrüstung zum vorläufigen, schonenden Einfangen wie Insektenschnapper und einer Schüssel. Die Insekten machten sich allerdings aufgrund des vorherigen Regenschauers ziemlich rar und hatten sich ein trockenes Plätzchen in ihrem Reich gesucht. Dennoch präsentierte sich der Gruppe im Laufe des Spaziergangs der ein oder andere Falter, z. B. das Landkärtchen und ein paar weitere Insekten, vor allem jedoch ein außergewöhnlicher Käfer. Es handelte sich um den Goldglänzenden Laufkäfer.

Goldglänzender Laufkäfer

Goldglänzender Laufkäfer, Käfer Carabus Auronitens

 

Die Exkursion endete schließlich bei Sonnenschein und blauem Himmel, an blühender Akelei vorbei kommend, um 17.00 h, sogar eine Stunde später als veranschlagt. Unser herzliches Dankeschön gilt noch einmal Jürgen Wächter und Ralf Külker für die spannende Führung.

 

JHV 2017

Vorstand 2017

Vorstand 2017Bei der Jahreshauptversammlung des NABU- Kreisverbandes Gütersloh im Flussbetthotel Gütersloh am 20.03.2017 hat Herr Jürgen Wächter (Grüne-Kreisverband Gütersloh, Umweltamt Bielefeld) einen Vortrag über das “Doppelte Artensterben” gehalten. Zum einen erläuterte er, dass es in der Erdgeschichte bereits mehrere Aussterbewellen gegeben hat, die überwiegend geologische Gründe hatten. Die 5. Welle ist durch das Auftauchen des Menschen  geprägt ebenso wie die aktuelle 6. Welle. Der Mensch prägt diese Wellen, weil er durch die Benutzung der Natur (Flächenverbrauch, Chemische Mittel etc.) diese enorm beeinflusst. Um das Artensterben zu beenden muss das Wirtschaften des Menschen die Natur berücksichtigen. Damit dieses geschehen kann, muss aber auch das Wissen über die Natur vorhanden sein. Hier kam das zweite Artensterben in den Vortrag, das Aussterben der Artenforscher oder Taxonomen. Während im 19. Jahrhundert das Beschäftigen mit der Natur und auch die Spezialisierung auf bestimmte Pflanzen- oder Tiergruppen zum guten Ton gehörte, sind es heute nur noch wenige, die sich intensiv damit beschäftigen. Auch an den Universitäten gibt es immer weniger auf Artenkenntnis spezialisierte Lehrstühle, so dass auch Biologen immer weniger Artenkenntnisse haben.

Jürgen Wächters Appell, um diesem Trend entgegen zu wirken, war, Kinder in die Natur zu bringen. Erfahrungsgemäß sind Kinder im Bereich 12-16 Jahre sehr empfänglich sind, weil sie auch Erklärungen dann besser verstehen können.

Nach dem Vortrag von Jürgen Wächter berichtete Stefanie Klappenbach über die Aktivitäten des Kreisverbandes im Jahr 2016.

Vorstandsteam 2017Anschließend fanden Wahlen statt. Stefanie Klappenbach verlässt das Vorstandsteam, das nun aus Margret Lohmann, Ralf Külker und Andreas Hänsel besteht. Zum gewählten Vorstand gehören Dirk Blome, Stefanie Klappenbach, Klaus Kuhlmann, Thorsten Thiel und Siegrid Schwarze.

Wulfhorst Obstbaumschnitt

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OLYMPUS DIGITAL CAMERAAm Samstag, den 4. Februar 2017 trafen sich einige Interessierte auf dem Hof Wulfhorst in Steinhagen, um dort von den erfahrenen Landschaftsgärtnern Gerhard und Gerrit Wulfhorst in die Geheimnisse des Obstbaumschnitts eingeführt zu werden.

Gerhard Wulfhorst erläuterte zunächst ausgiebig, dass es “den” Obstbaumschnitt nicht gibt. Je nach Gegebenheiten kann der Schnitt des Baumes variieren. Wenn die Bäume z.B. an einer Straße stehen, an der hohe Fahrzeuge fahren, werden die Kronen höher angesetzt, als bei Bäumen einer Obstbaumplantage, die einfach zu Pflücken sein müssen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAuch die Kronenform kann je nach Interesse variiert werden, ob man nun einen Terminaltrieb (eher pyramidenförmige Krone) belässt, oder mehrere starke Triebe und damit eine breitere Krone haben möchte, liegt im Ermessen des Gärtners.

Geschnitten wird grundsätzlich, um die Fruchtbarkeit des Baumes, dass heißt den Ertrag, zu steigern, da Obstbäume nur an jungen Trieben blühen und Früchte tragen.

Ziel des Rückschnittes, wie ihn Gerhard Wulfhorst durchführt, ist, dass man anschließend eine Mütze durch die Krone werfen kann, ohne dass sie hängen bleibt. Dazu werden alle Triebe, die Richtung Mitte wachsen geschnitten, sowie von Mehrfachtrieben maximal zwei stehen gelassen.

Auch bei den Schnitttechniken gibt es durchaus Spielraum. Ob man einen radikalen Rückschnitt (bis an die erste Knospe) macht, oder etwas weniger stark und dafür jährlich schneidet, liegt ebenfalls im Ermessen des Gärtners.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAWichtig ist aber bei allen Schnitten, dass die Schnitte selber sauber ausgeführt werden, ohne Fäden aus der Rinde zu ziehen und ohne an der Schnittfläche Kanten stehen zu lassen. Ersteres ist eine Verletzung des Baumes und kann zum Eindringen von Krankheitserregern führen (ähnlich wie Verletzungen an der Haut beim Menschen), Kanten führen zu Wasserstau und damit ebenfalls zum Eindringen von Krankheitserregern. Gerhard Wulfhorst rät beim Schneiden von Ästen den Astring stehen zu lassen (eine bis 2 cm dicke Wulst am Stamm oder nächst größeren Ast aus der der Ast wächst). Die Erklärung dazu: der Astring ist eine Art Verbindungsstück zwischen Stamm und kleinerem Ast. Wenn man diesen wegschneidet, hat man eine Verletzung direkt am Stamm, lässt man ihn stehen, hat man eine saubere Schnittkante abseits vom Stamm.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAUm diese sauberen Schnittkanten zu erzielen, führte Gerhard Wulfhorst verschiedene Schneidwerkzeuge vor, mit denen er in seiner Praxis als Garten- und Landschaftsbauer gute Erfahrungen gemacht hat. Er empfiehlt zum Beispiel Scheren mit beidseitigen Klingen und nicht mit Klinge und Ambos. Letzteres führt oft zu Quetschungen und Abreißen von Rindenfäden, Während beidseitige Klingen auch von beiden Seiten schneiden. Geräte an langen Stielen, egal ob Scheren oder Sägen, können in bestimmten Situationen hilfreich sein, ein sicherer und gezielter Schnitt ist aber nahe am Schnittpunkt immer vorzuziehen. Auch hier hatte Gerhard Wulfhorst praktische Tipps. Wer nicht wie er auf Hebebühnen oder Ähnliches zurückgreifen kann, sondern auf im Gelände eher wackligen Leitern arbeiten muss, kann diese trotzdem absichern: Einfache Spanngurte oder Seile, mit denen der Leiterkopf an einen Ast angebunden wird, senken die Kippgefahr deutlich. Ein Spaten in den Boden gestochen, gegen den der Leiterfuß gestellt wird, verhindert ein Abrutschen der Leiter, wenn niemand festhalten kann.

Nach so viel Theorie und praktischer Vorführung von Gerhard Wulfhorst, legten einige der Anwesenden selber Hand an, um beim Obstbaumschnitt auf der Streuobstwiese mitzuhelfen. Gerhard Wulfhorst zeigte sich anschließend zufrieden mit den beschnittenen Bäumen und erläuterte, dass man ruhig mutig schneiden darf. Oft treiben die Bäume anschließend um so stärker wieder aus.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAZu beachten ist jedoch, dass es artenabhängig unterschiedliche Zeitpunkte gibt, wann die Bäume beschnitten werden sollten. Die Walnuss zum Beispiel sollte im August beschnitten werden, ein Schnitt im Oktober kann zum Ausbluten des Baumes führen. Auch Kirschen sollten während oder kurz nach der Ernte beschnitten werden, während Äpfel im Herbst oder vor dem Laubaustrieb beschnitten werden können.

Allen, die sich Sorgen um den Lebensraum Baumkrone machten, gab Gerhard Wulfhorst auf den Weg, dass man ja nicht gezwungen sei, alle Bäume gleichzeitig zu schneiden, sondern immer nur einen gewissen Teil. Wenn  einen Baum radikal schneidet, hat man Zeit, bis ein neuer radikaler Rückschnitt nötig wird. In dieser Zeit sind dann die anderen Bäume dran.

 

°°Blühende Landschaft°°

Blühende Landschaft 2

NABU Mitglieder des Kreisverbandes Gütersloh hatten den klagenden Weckruf des Stieglitz, des Jahresvogel 2016 vernommen. Dieser – auch Distelfink genannt – versucht seit langem vergeblich ausreichend Nahrung, sprich Blumensamen in der offenen, teils monotonen Landschaft zu finden. Fehlen dort doch Blütenpflanzen, die den Samen für diese Körnerfresser produzieren.

So ergriffen die NABU- Aktiven, Margret Lohmann und Klaus Kuhlmann Initiative, das allseits großflächige Landschaftsgrün mit bunten Blütenstreifen zu bereichern.Blühende Landschaft

Ihr Motto: Bunte Meter machen. Dieses Ziel zu erreichen, wurden natürlich viele starke Hände gebraucht. So konnten sie für ihr Vorhaben die Grundschule Künsebeck, einem Ortsteil der Stadt Halle(Westf.) gewinnen. Die Kinder der Schule mit ihrer Lehrerin Frau Kleinholz waren von der Idee begeistert. Ebenso auch die Stadt Halle mit ihrem Umweltbeauftragten Stefan Borghoff, der auch von diesem Gemeinschaftsprojekt angetan war.
Die Stadt Halle stellte freundlicherweise gut besonnte Flächen von je 80 m Länge und ca. 10 m Breite zur Verfügung und bereitete den Oberboden vor. In Unterrichtsstunden wurde mit den Schülerinnen und Schülern ein Arbeitsplan erstellt. Mit großer Begeisterung wurde dann vor Ort der Boden bearbeitet, ein Erdplanum hergestellt und eine bodengerechte Blumensamenmischung eingearbeitet. Danach wurde die Bodenfläche angedrückt (verdichtet), um Wehverluste des Samens zu vermeiden. Die Schülerinnen und Schüler wurden nicht müde, emsig Hand anzulegen. Nach getaner Arbeit vor Ort sangen die Kinder fröhlich stimmungsvolle Frühlingslieder bei Gitarrenbegleitung.

In den folgenden Wochen und Monaten beobachteten örtlich  dann die  Schulkindern und einige Eltern  die weitere Entwicklung. So entdeckten sie recht bald erste Blütenpflanzen in schönsten Farben und das erste Ziel  war erreicht, ein Blühstreifen war erstellt.  Woche für Woche entwickelte sich so in wechselnder Blütenfolge ein farbenprächtiges Blumenmeer.  Im weiteren Verlauf konnten dann auch  mit Hilfe von Bestimmungsbüchern die entdeckten Pflanzen  benannt werden. Es zeigten sich Kornblume, Nachtkerze, Kratzdiestel, Vogelknöterich, Moschus Malve, Mohn und andere Blütenpflanzen. Auf selbst gebastelten  Schautafeln wurden sodann die Blumennamen angezeigt.Blühende Landschaft

Zur großen Überraschung stellten sich alsbald die ersten Insekten ein, Schmetterlinge, verschiedene Käferarten, aber besonders Wildbienen, Hummeln, Wespen und Honigbienen. Das nahm wohl auch ein Imker zum Anlass, einen Bienenstand in der Nähe aufzustellen. Er berichtete unter anderem über die enorme Fleißarbeit dieser kleinen Geschöpfe, die laut wissenschaftlicher Erkenntnis ca. 120.000 Blütenköpfe besuchen müssen, um 1 kg Honig herzustellen.

Nach weiteren Wochen wurden dann die Samenfresser wie Stieglitz, verschiedene Sperlingsvögel gesichtet. Jetzt stellten wir verwundert fest, ein weiteres Ziel erreicht zu haben, nämlich den Vögeln Nahrung zu geben, gleichzeitig auch unsere Blütenträume verwirklicht zu haben. Begleitet wurde das Projekt von unserem Lokalradio Gütersloh durch den Redakteur Manfred Nöger, der begeistert mitwirkte und eine Lernstunde erarbeitete und diese dann gesendet wurde.

Alle Teilnehmenden waren sich einig, die Gemeinschaftsaktion war ein großartiger Erfolg zum Wohle der Natur. Natur braucht Freunde, machen auch Sie mit?Blühende Landschaft

 

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